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Herzinsuffizienz bei Hunden: Diagnose und Klassifizierung einer Mitralklappenerkrankung

Ein Hund mit Herz. Thema Herzinsuffienz - jetzt im Covetrus Blog lesen.

Die Mitralklappeninsuffizienz ist die häufigste Herzerkrankung bei Hunden. Der Verlauf beginnt schleichend und ist meist chronisch. Anzeichen für eine Erkrankung lassen sich anhand bestimmter Indikatoren bestimmen, dabei durchlaufen Hunde einzelne Krankheitsstadien. Zur Klassifizierung des vorliegenden Schweregrads helfen die ACVIM-Methode sowie die CHIEF-Klassifikation. Die Erfahrung hat gezeigt, dass kleine Hunderassen besonders häufig von einer Mitralklappenerkrankung betroffen sind, doch auch größere Hunde können an einer Herzinsuffizienz leiden. Daher sollte die Erkrankung bei Nicht-Risiko-Gruppen keinesfalls ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich steigt das Risiko einer Mitralklappendegeneration mit steigendem Alter des Tieres, Schweregrad und Fortschreiten der Krankheit sind von Hund zu Hund unterschiedlich stark ausgeprägt. Im Frühstadium wird eine Herzerkrankung oft nicht erkannt – teilweise fallen die Anzeichen kaum auf oder werden nicht mit einer Erkrankung des Herzens in Verbindung gebracht. Bei leichten Verläufen im Anfangsstadium sind lange Phasen ohne Therapie möglich, schwere Verläufe erfordern eine medikamentöse Behandlung. Passende Therapien können die Lebensqualität erkrankter Hunde deutlich steigern.

Diagnose und Klassifizierung

Eine Mitralklappenerkrankung kann bei Hunden von Geburt an bestehen oder bedingt sein durch degenerative Veränderungen mit zunehmendem Alter. Dies trifft in Zweidrittel der Fälle zu. Des Weiteren findet sich die Ursache einer Herzinsuffienz in einer akuten Entzündung oder aber in einer koronaren Arteriosklerose. Eine zu reichhaltige Ernährung in Verbindung mit wenig Bewegung kann in einigen Fällen zu diesem Krankheitsbild führen. Die so entstehende verminderte Durchblutung des Herzmuskels kann eine Vergrößerung der linken Herzkammer zur Folge haben. Dies wiederum kann zu einer reduzierten Schlussfähigkeit der Mitralklappe führen. Die Pumpleistung des Herzens sinkt und der Organismus des Tiers wird nicht mehr richtig mit Blut versorgt. Es kommt zur Ischämie einzelner Organe und damit zu deren Fehlfunktion.

Symptomatik einer Mitralklappeninsuffizienz

Wie bereits erwähnt, gibt es keine eindeutigen Symptome, die sofort auf das Vorliegen einer Erkrankung des Herzens hindeuten. Vielmehr gilt es, das Verhalten des Hundes zu beobachten und zu dokumentieren. Treten Auffälligkeiten auf, sollten diese näher untersucht werden. In den meisten Fällen wird vom Tierbesitzer eine verminderte Leistungsfähigkeit des Hundes festgestellt. Das Tier ist weniger agil und bewegungsfreudig, zeigt eine beschleunigte Atmung im Ruhezustand, aber vor allem unter Belastung. Durch die zuvor beschriebene Vergrößerung des Herzens kommt es zu einer Mangelversorgung der Lunge. Der Hund hustet häufig; zunächst nur bei Aufregung und Freude, im späteren Verlauf auch im Ruhezustand. Meist zeigt sich dann eine dauerhaft gestörte Atmung mit Atemnot und Kurzatmigkeit. Im letzten Stadium bereitet dem Hund das Atmen im Liegen Schwierigkeiten. Hinzu kommen eine Bauchwassersucht und kurze Phasen der Bewusstlosigkeit. Der Tierbesitzer verzeichnet bei seinem Hund einen deutlichen Gewichtsverlust. Nahrung wird verweigert und das Tier macht insgesamt einen schwachen Eindruck.

Herzinsuffienz: Diagnose der Erkrankung

Ein Hund wird von zwei Tierärzten untersucht. Thema Herzinsuffienz im Covetrus Blog
Herzinsuffienz: Diagnose der Erkrankung | Covetrus Blog © didesign | Fotolia

Zum Erkennen einer Herzerkrankung beim Tier stehen verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung. Mit deren Hilfe lassen sich Ursache und Schweregrad in den meisten Fällen genau festlegen.

Das Elektrokardiogramm zeichnet auch kleinste Herzrhythmusstörungen auf. Wird in der Praxis beim Anlegen des EKGs über einige Minuten keine Auffälligkeit festgestellt, aber die Symptome sprechen für ein Vorliegen einer Herzinsuffizienz, kann ein Langzeit-EKG angelegt werden. Dieses wird mit einem speziellen Verband befestigt, sodass der Hund es sich nicht selbst entfernen kann.

Das Herzlungenröntgen gibt Ihnen als Tiermediziner nicht nur Aufschluss über Herzgröße und -form, sondern kann beispielsweise ein Lungenödem sichtbar machen. Berichtet der Tierbesitzer vorwiegend über Atemprobleme des Hundes, können mit dem Herzlungenröntgen auch extrakardiale Auslöser der Atembeschwerden in der Lunge festgestellt werden.

Die Ultraschalluntersuchung, die Echokardiografie, erfasst sehr genau die Innenstrukturen des Herzens. Mithilfe dieses Untersuchungsverfahrens können angeborene Herzfehler gut erkannt werden. Durch das Spritzen eines Kontrastmittels können eine Kardiomyopathie oder eine Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel diagnostiziert beziehungsweise ausgeschlossen werden. Auch die Funktionsfähigkeit der Herzklappen kann mit dieser Methode näher beurteilt werden. Bei einer vorliegenden Mitralendokardiose handelt es sich um eine Verdickung der Herzklappen zwischen linker Hauptkammer und linkem Vorhof. Die Echokardiografie unterstützt, bei Vorliegen dieses Krankheitsbildes, bei der Abstimmung der Therapie sowie bei der Beurteilung der Verlaufsprognose.

Ein weiteres diagnostisches Verfahren ist die Blutabnahme zur Feststellung kardialer Biomarker. NT-proBNP ist ein stabiles Stoffwechselprodukt, welches bei kardialem Stress im Blut nachweisbar ist. Die Genauigkeit dieser Untersuchung zur Diagnose von Schwere und Verlauf der Krankheit gilt allerdings als relativ ungenau und wird gerade in einer laufenden Studie namens HAMLET überprüft.

Systeme zur Klassifizierung

Die ACTVIM-Klassifikation sieht eine klare Trennung von symptomatischen und asymptomatischen Patienten vor und spricht, wie auch die CHIEF-Klassifikation, von Risikogruppen. Die Vorteile dieser beiden Eingruppierungen findet sich kombiniert im Dog Echocardiography Progression Protocol, der DEPP-Klassifikation. Diese Gliederung legt sieben Stadien zur Festlegung des Gesundheitsstatus fest. Bei diesem Untersuchungsschema wird der Besitzer des Hundes zunächst nach den Symptomen befragt. Im nächsten Schritt wird das Tier auf Herzgeräusche abgehört. Darauf folgen Untersuchungen mit Röntgengerät und EKG. Die Kombination dieser einzelnen Faktoren ergibt den Gesamtzustand des Tieres und damit das Stadium, in welchem sich der Hund befindet. Es werden die Stadien A, B1, B2, C1, C2, C3 und D unterschieden.

Im Stadium A sind keine auffälligen Herzgeräusche zu hören. Röntgen und EKG ergeben keinen Befund. Der Hund gehört dennoch, aufgrund seiner anatomischen Voraussetzungen beziehungsweise wegen seines Alters oder seiner Rasse zu einer Risikogruppe. Es liegen keine auffälligen Symptome vor. Ein weiteres aufmerksames Beobachten des Allgemeinzustandes ist anzuraten. Der Hund ist gesund.

Im Stadium B1 ergibt die Auskultation ein Herzgeräusch von 1-2/6. Beim Röntgen wird eine Mitralinsuffizienz festgestellt. Es gibt keine Anzeichen für eine Volumenüberladung. Der Vertebal Heart Score, welcher die Herzgröße mittels Röntgen feststellt, ist normal. Die Echokardiografie ergibt einen Cornell-Index von <1,8. Das Verhältnis von linkem Vorhof zur Aorta also LA/AO beträgt <1,6 (SAX).

Im Stadium B2 zeigt der Patient Herzgeräusche von 2/6. Bei Röntgen und EKG zeigt sich eine deutliche Insuffizienz mit Kompensation. Der VHS ist erhöht, der Herzmuskel ist vergrößert. Das LA/AO-Verhältnis beträgt größer-gleich 1,6. Der diastolische Wert des Cornell-Index beim linken Ventrikel ist größer-gleich 1,7. Der Hund hustet gelegentlich, hat keine Atemeinschränkungen, aber zeigt leichte Leistungsinsuffizienz.

Im Verlauf der Stadien C1 bis D zeichnet sich eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes ab. Im Stadium D sind deutliche Herz- und Lungengeräusche zu hören. Die Röntgenaufnahme zeigt ein Lungenödem, einen Thoraxerguss und eventuell Wassereinlagerungen im Bauchbereich. Der Hund wird immer wieder ohnmächtig, die Haut zeigt deutliche Anzeichen einer Minderdurchblutung durch eine blaurote Verfärbung. Zudem bekommt der Hund im Liegen kaum Luft. Es liegt eine Orthopnoe vor.

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Reisen mit Tieren vorbereiten und verwalten

Eine Frau und ein brauner Hund sitzen auf einem Stein hoch in den Bergen. Thema Reisen mit Tieren - jetzt im Covetrus Blog lesen.

Reisen mit Tieren sind immer mit einer gewissen Herausforderung verbunden. Einerseits müssen rechtliche Verordnungen und Regelungen eingehalten werden, auf der anderen Seite gilt es, das Tier zu schützen und die Reisebedingungen an das Wohl des Tieres zu binden. Eine gute Vorbereitung gemeinsam mit dem Tierbesitzer ist hier ausschlaggebend. Diesem stehen Sie als Ansprechpartner für organisatorische und medizinische Fragen zur Seite.

Eine große Rolle spielen Einreisebestimmungen verschiedener Länder, die Beachtung des Impfschutzes und die Vorlage des Heimtierausweises. Alle herrschenden Bestimmungen und Vorschriften, die laut EU-Recht gelten, stellt hierbei in Deutschland das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zur Verfügung. Diese finden Sie hier in einer Übersicht. Neben all den formalen Voraussetzungen sollten Sie schließlich auch beurteilen, ob die Reise für das Tier verträglich ist und wie die stressige Transportsituation im Einzelfall zu handhaben ist.

Reisen mit Tieren vorbereiten und verwalten: Infos über die wichtigsten Bestimmungen

Für Reisen mit Hunden, Katzen und Frettchen innerhalb der EU gelten die Verordnungen Nr. 576/2013 und Nr. 577/2013. Hierbei spielen die eindeutige Identifikation und eine einwandfreie Tollwutsituation des Heimtieres eine Rolle. Ebenso ist der Zweck der Reise zu klären, aus dem hervorgeht, dass nicht etwa der Verkauf oder Besitzerwechsel angestrebt wird. Zu Handelszwecken sind nämlich andere Regelungen zu beachten.

Zur eindeutigen Identifikation des Heimtieres ist eine elektronische Kennzeichnung maßgeblich, welche der ISO-Norm 11784 oder 11785 entsprechen muss. Dies bedeutet, dass das Heimtier zwingend gechippt sein muss und dass der Chip an den jeweiligen Kontrollstellen ausgelesen werden kann. Dies Auslesung geschieht über eine HDX- oder FDX-B-Übertragung. Seit dem 3. Juli 2011 ist es zwingend, für neu gekennzeichnete Tiere diese Art von Chip zu verwenden. Ältere Tiere können auch mittels einer Tätowierung identifiziert werden. Erst wenn die einwandfreie Identifikation und Zuordnung des Heimtieres besteht, kann die für Reisen notwendige Tollwutimpfung vorgenommen und im Heimtierausweis eingetragen werden. Dieser Heimtierausweis trägt eine einheitliche Form und ist von Ihnen als Tierarzt auszustellen sowie bei Reisen vom Besitzer immer mitzuführen. Hierbei ist es wichtig, dass die Impfungen sich nach den Hinweisen des Impfstoffherstellers richten, gegebenenfalls aufgefrischt und mit einem inaktivierten Impfstoff (WHO-Norm) angewendet wurden. In diesem Maße wurde die deutsche Tollwut-Verordnung am 29.12.2014 gemäß der EU-Verordnung Nr. 576/2013 angepasst.

Pro Person dürfen höchstens fünf Heimtiere mit auf Reisen gehen. Diese Zahl darf nur in Ausnahmefällen überschritten werden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Tiere zu einem Wettbewerb oder einer Sportveranstaltung verreisen. In allen Fällen ist eine klare Zugehörigkeit zum Besitzer, die aus dem Heimtierausweis hervorgehen muss, entscheidend. Des Weiteren dürfen Welpen unter 15 Wochen nur mit einem ausreichenden Tollwut-Impfschutz reisen, wobei es keine Rolle spielt, ob sie aus Deutschland verreisen oder ob es das Ziel- oder Transitland ist. Die Tollwutimpfung bei Jungtieren darf nach 12 Wochen erfolgen, wobei eine Blutabnahme nach wieder einem Monat und eine dreimonatige Wartefrist eingehalten werden muss.

Grundsätzlich gilt, sich auch umfassend über die Regelungen der einzelnen Länder zu informieren. So sind beispielsweise in Irland, Finnland und dem Vereinigten Königreich verschärfte Anforderungen bei antiparasitären Behandlungen zu beachten. Bei Reisen in Länder mit einem höheren Tollwutrisiko können bei einer Wiedereinreise nach Deutschland Blutuntersuchungen vorgeschrieben sein.

Die richtige Reisevorbereitung und Aufklärung

Vor der Reise sollten Sie nicht nur die gesetzlichen Regelungen mit dem Tierbesitzer abklären. Auch eine ausführliche Information über mögliche Reisekrankheiten gehört zur Reisevorbereitung. Vor allem vor der Gefahr durch Krankheitsübertragungen durch Zecken und Stechmücken in bestimmten Regionen ist zu warnen. Hier sollten Sie neben Verhaltenstipps auch zu einer sinnvollen Reiseapotheke beraten.

Das Tierwohl steht somit immer im Vordergrund. Deshalb sollte auch gut überlegt sein, ob gerade eine lange Reise für das Heimtier erträglich und ratsam ist. Zum einen gilt es individuell zu prüfen, ob das Heimtier gesundheitlich für eine solche Reise gewappnet ist. Ängstliche Tiere erfahren während der hektischen Reisezeit großen Stress. Pauschal kann gesagt werden, dass Hunde ihren Besitzern gerne überallhin folgen. Katzen hingegen schätzen die heimische Umgebung und man sollte sie eher nicht dieser entnehmen. Sollte eine Katze von klein auf eine Bindung zum Halter aufgebaut haben, dann ist nur in diesem Fall ein längerer Aufenthalt außerhalb der gewohnten Umgebung zu empfehlen. Weiter gilt zu bedenken, welche Reiserouten geplant sind. Wird der Ort oft gewechselt, dann sollte auch hier abgeschätzt werden, wie viel man dem Haustier zumuten möchte.

Die Vorbereitung des Transports

Reisen mit dem Tier, ein brauner Hund guckt aus dem Autofenster raus. Jetzt im Covetrus Blog lesen.
Reisen mit Tieren | Covetrus Blog © Kevin Kozicki | Adobe Photoshop Lightroom

Nicht zuletzt sind auch beim eigentlichen Transport des Tieres einige Punkte zu beachten. Die Wahl der Transportart und des Transportunternehmens sowie die Klärung der jeweiligen Transportbedingungen sind hier ausschlaggebend. Zum einen sollte sichergestellt werden, dass das Transportunternehmen eine Mitnahme von Haustieren erlaubt. Hierbei sind verschiedene Vorkehrungen im Vorhinein zu treffen. Eine Anschaffung einer Transportbox, eines Maulkorbs oder etwaiger Medikamente zur Beruhigung kann vonnöten sein.

Bei Flugreisen sind die Bestimmungen der jeweiligen Fluggesellschaft zu tierischen Passagieren zu klären. In der Kabine selbst dürfen Hunde und Katzen in der Regel bis ca. 5 kg und maximal 8 kg Körpergewicht mitreisen. Hierbei ist es wichtig, dass schon bei der Abmessung das Gewicht der Transportbox, sollte sie gefordert sein, mitzählt. Das Transportbehältnis muss wasserdicht und luftdurchlässig sein und darf die von der Fluggesellschaft vorgegebenen Handgepäckmaße nicht übersteigen. Alle größeren bzw. schweren Haustiere müssen in speziellen Flugboxen im Gepäck- oder Frachtraum mitreisen. Auch dies kann unnötigen Stress für sowieso schon ängstliche Tiere bedeuten. Eine ausreichend große Transportbox, in der sich das Haustier um sich selbst drehen kann, verschafft eine größere Sicherheit. Eine Eingewöhnung mit dem Transportbehältnis schon vor der Reise kann hier sinnvoll sein. Wichtig ist zudem, dass das Tier ausreichend Futter und Wasser während des Transports erhält.

Auch bei der Reise mit dem Auto sind zum Wohle des Tieres einige Vorkehrungen zu treffen. Bei einer längeren Autofahrt ist es wichtig, dass das Tier sich etwa im Kofferraum frei bewegen kann und der Raum zum Auslauf sicher durch ein Gitter zum Personenraum abgegrenzt ist. Auch bei der Autoreise sollte das Tier ausreichend Futter und zu trinken bekommen und außerdem ab und an etwas Auslauf bei kleinen Pausen erhalten.

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Kaninchenernährung? Gewusst wie!

Kaninchenernährung Blogartikel Covetrus

Besonderheiten des Verdauungstraktes von Kaninchen und deren Bedeutung für eine tier- und verhaltensgerechte Ernährung

Entsprechend seines ursprünglichen Lebensraumes, den sandigen Gräser- und Kräutersteppen Südwest-Europas, ist das Kaninchen spezialisiert auf die Aufnahme und Verdauung großer Mengen karger, pflanzlicher Kost. Ein ausgewogenes Futter-Management, das die physiologischen Besonderheiten des Kaninchens berücksichtigt, ist daher für die Gesunderhaltung unserer Kaninchen in der Heimtierhaltung und somit für ein unbeschwertes, langes Kaninchenleben entscheidend.

Bei genauerer Betrachtung des Kaninchens entdecken wir insbesondere im Verdauungssystem Anpassungen, die das Kaninchen zu einem echten Ernährungsspezialisten machen:

  • Die Schneide- und Backenzähne wachsen lebenslang um ca. 0,8 cm pro Monat. Dieses Zahnwachstum ist eine Anpassung an die Notwendigkeit, große Mengen stark strukturierter, rohfaserreicher und relativ energiearmer Kost zu verarbeiten. Die Zähne reiben sich beim Abbeißen sowie Zermahlen der Nahrung aneinander ab. Für den zuverlässigen Zahnabrieb des Kaninchens ist neben der Aufnahme eines strukturierten Futters, der Zeitraum für die Futteraufnahme entscheidend. Grob strukturiertes Heu und energiearme, im Durchmesser ca. 1 cm große Presslinge mit grober Faserstruktur sind als Fütterung ideal, da das Kaninchen sich diese Futtermittel durch „Benagen“ und langes Kauen erarbeiten muss. Die Futteraufnahmedauer wird entsprechend dem natürlichen Verhalten deutlich erhöht.
  • Kaninchen haben eine nur dünn bemuskelte Magenwand. Die reduzierte Muskulatur ist eine ökonomische Anpassung an die häufige Nahrungsaufnahme und somit typisch für ein Tier, das sich auf energiearme Nahrungsressourcen spezialisiert hat. Man nennt den Magen des Kaninchens auch „Stopfmagen“, da der Futterbrei nur durch die kontinuierliche, weitere Futteraufnahme in die hinteren Darmabschnitte transportiert und verdaut werden kann. Das Kaninchen sollte daher stets Futter zur freien Verfügung haben. Neben dem Angebot von Heu, ist die sichere Versorgung mit Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien über die Fütterung eines rohfaserreichen, energiearmen Trockenfutters gewährleistet. Einen Hinweis auf den Energiegehalt eines Futtermittels erhält man über den Stärkegehalt (auf der Verpackung unter den analytischen Bestandteilen aufgeführt) oder über die Art der Zusammensetzung eines Futtermittels (sehr stärkehaltig sind z.B. ganze Getreidekörner, Kartoffeln, Erbsen, Bohnen, Johannisbrot etc. und sollten daher gemieden werden). Als Faustregel gilt: Liegt der Stärkegehalt des Futters unter 10% und beträgt das Verhältnis Rohfaser zu Stärke mindestens 3 : 1, entspricht der Energiegehalt etwa dem Erhaltungsbedarf eines Zwergkaninchens in der Heimtierhaltung und das Futter kann zur freien Verfügung angeboten werden.
  • Der Blinddarm von Kaninchen ist als große Gärkammer ausgebildet. Mit dieser Anpassung gelingt es dem Kaninchen, Rohfaserbestandteile, die sonst unverdaulich wären, dem Organismus verfügbar zu machen. Weniger gut verdauliche Rohfaseranteile werden schnell ausgeschieden, feine, leichter verdauliche Nahrungspartikel gelangen in den Blinddarm und werden durch spezielle Bakterien in Proteine, Vitamin B und Vitamin K umgewandelt. Es entsteht der sogenannte Blinddarmkot (Caecotrophe), deren Nährstoffe durch eine erneute Aufnahme vom Kaninchen genutzt werden.

Bedürfnisse der Kaninchen

Um den spezifischen Bedürfnissen des Kaninchens gerecht zu werden bedarf es eines gewissen Augenmaßes besonders hinsichtlich der Energieversorgung: Eine energiereduzierte, rohfasereiche Kost mit allen notwendigen Vitaminen und Spurenelementen sowie ein qualitativ hochwertiges Heu – beides zur freien Verfügung – entspricht den natürlichen, physiologischen Anpassungen des Kaninchens an seinen ursprünglichen Lebensraum und ist ein wichtiger Beitrag zur Gesunderhaltung der Tiere. Die tägliche Gabe von Frischfutter (z.B. Blattsalate, Chicorée, Fenchel, Gurken, Karotten) rundet die Ration ab. Damit sich die empfindliche Darmflora anpassen kann, sollte die Frischfuttermenge langsam gesteigert werden.

Besonderheiten der Kaninchenernährung: Zusammenfassung

Aus der speziellen Ernährungsphysiologie ergeben sich folgende Punkte, die bei der Ernährung von Kaninchen zu beachten sind:

  1. Eine Vielzahl an Gräsern und Kräutern entspricht dem natürlichen Nahrungsspektrum von Kaninchen.
  2. Die Aufnahme strukturierter Faser (Heu, Alleinfuttermittel mit grober Faserstruktur) verlängert die Futteraufnahmedauer → Förderung der Zahn- sowie Darmgesundheit.
  3. Eine lange Beschäftigung mit der Futteraufnahme beugt Verhaltensstörungen vor.
  4. Ein rohfaserreiches, energiearmes Trockenfutter kann zur freien Verfügung angeboten werden und ermöglicht die Aufnahme kleiner Futterportionen → gleichmäßiger Nachschub des Nahrungsbreis gewährleistet den Weitertransport in die hinteren Darmabschnitte.
  5. Bei pelletierten Futtermitteln ist in jedem Pellet der gleiche Nährstoffgehalt enthalten → keine Fehlernährung durch Auswahl schmackhafter Bestandteile bei Angebot von „Müslis“.
  6. Hochwertige Rohfaser ist als Substrat für die speziellen Bakterien im Blinddarm wichtig.
  7. Der Stärkegehalt in der Ration sollte begrenzt sein → optimales Rohfaser-Stärke-Verhältnis von mindestens 3 : 1.
  8. Die Caecotrophie ist eine Anpassung des Kaninchens an karge Lebensräume und versorgt sie zusätzlich mit Proteinen, Vitamin B und Vitamin K.
  9. Frischfutter rundet die Ration ab und kann nach schrittweiser Gewöhnung täglich gefüttert werden.
  10. Snacks sollten nur begrenzt angeboten werden und dienen insbesondere der Förderung einer Bindung zum Halter. Snacks sind keine Ernährung im eigentlichen Sinn.
  11. Frisches Trinkwasser sollte stets zur Verfügung stehen.

Quelle: Dr. Birgit Zumbrock, Bunny Tierernährung GmbH (Melle).

Weiter zum Artikel Tierschutz: Lücke zwischen Theorie und Praxis

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Tierschutz: Lücke zwischen Theorie und Praxis

Tierschutz und die Lücke zwischen Theorie und Praxis. Bauer stehen im Kuhstall.

Tierschutz wird in vielen Bereichen schon sehr gut umgesetzt. Geht es allerdings um Nutztiere in der Fleischwirtschaft, mahlen die Räder der Bürokratie auffallend langsam. Dabei liegt der Tierschutz nicht nur den Menschen in Deutschland am Herzen, sondern wird mittlerweile auf EU-Ebene diskutiert. Ende 2018 wurden in Luxemburg bei einer offiziellen EU-Tagung Leitlinien zu Haltung, Transport und Schlachtung von Nutztieren herausgegeben. EU-Prüfer betonen, dass beispielsweise der Schutz von Schweinen großer Bestandteil des neuen Leitfadens ist. Diese Entwicklung ist sehr zu begrüßen und verglichen mit der Welt, gelten in der EU die höchsten Tierschutzstandards. Doch was kommt wirklich bei den Tieren an?

Vor Ort in den einzelnen Ländern scheitert es oft an der Umsetzung der Richtlinien. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, oder: Wo kein Kläger, da kein Richter. Ein flächendeckendes Kontrollorgan, das einzelnen Höfen und Schlachtereien unangekündigte Besuche abstattet, um die Lebensbedingungen der Tiere festzustellen, wäre sehr zu begrüßen. Stichproben der EU-Prüfer ergaben, dass es auf Länderebene bei der Einhaltung der Mindeststandards noch immer Schwachstellen gibt.

Tierschutz: Lücke zwischen Theorie und Praxis

Die GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) der EU hat die Aufgabe, den Umweltschutz, die Lebensmittelsicherheit und den Tierschutz in der Union zu stärken. Laut GAP-Budget wird Deutschland in den Jahren 2021 bis 2027 ein Betrag von 365 Milliarden Euro für die Agrarförderung zur Verfügung stehen. Dieser Förderbetrag teilt sich in zwei Säulen: Die erste Säule deckt Direktzahlungen an Landwirte ab, die zweite Säule unterstützt gezielt Programme, die Nachhaltigkeit und eine umweltschonende Entwicklung fördern. Immer im Abstand von sieben Jahren wird neu über GAP-Budget und -Inhalte verhandelt. Doch auch im aktuellen Entwurf für die kommende Förderperiode mangelt es zum wiederholten Male an Anreizen, in das Tierwohl zu investieren.

Landwirte erhalten ihre Förderung nur, wenn sie die vorgegebenen Richtlinien einhalten. Aktuell wird an pauschalen Flächenprämien festgehalten, anstatt die Höfe und Betriebe nach deren Leistung zu beurteilen. Das Budget für die zweite Säule, welche für das Tierwohl und die Nachhaltigkeit steht, soll sehr stark gekürzt werden. Landwirte werden demnach zukünftig noch weniger Nutzen davon haben, in den Tierschutz zu investieren. Der Anreiz durch ein entsprechendes Budget ist nicht gegeben. Tierschutz kostet Geld. Durch die Kürzung der Mittel werden Landwirte, die sich für das Tierwohl engagieren, alleine gelassen. Positiv ist, dass die GAP in ihrem Entwurf für die nächste Periode zum ersten Mal den Tierschutz in seine Ziele überhaupt erwähnt.

Fleisch zu Dumpingpreisen

Der Preisverfall von Fleischprodukten kann stutzig machen. Vor wenigen Jahrzehnten war Fleisch ein Luxusgut, welches ein- bis zweimal wöchentlich verzehrt wurde. Heute steht fast täglich, manchmal sogar mehrmals am Tag Fleisch auf dem Speiseplan. Die günstigen Preise haben die Nachfrage steigen lassen. Doch Massentierhaltung und die Optimierung der Fertigungsprozesse gehen zu Lasten des Tierwohls. Eine intensive Landwirtschaft hat immens negative Auswirkungen auf Tiere, Umwelt und Klima. Ehrgeizige Ziele allein reichen nicht, um das Leiden der Tiere zu beenden. Die Lücke zur praktischen Umsetzung sollte schnellstmöglich geschlossen werden. Aktuell werden keine Sanktionen verhängt, wenn Tierschutzstandards nicht eingehalten werden.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Das BMEL ist auf nationaler Ebene unter anderem für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zum Tierschutz zuständig. Es entwirft neue Gesetze und sorgt dafür, dass die tierschutzrechtlichen Vorschriften auf deren Einhaltung überprüft werden. Gemäß Gesetz dürfen keinem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden. Wirbeltiere dürfen nur unter wirksamer Betäubung getötet werden. Der Tierschutz ist etwa seit zehn Jahren im Grundgesetz verankert und umfasst die Haustiere, landwirtschaftliche Nutztiere, Zirkustiere und Versuchstiere in der Forschung. In Bezug auf die landwirtschaftliche Nutzung von Tieren hat die Bundesregierung neben dem Tierwohl die Sicherheit für den Menschen im Auge. Nur wenn die Tiere gesund sind, können die erforderlichen Produktstandards für Lebensmittel eingehalten werden. Kranke Tiere können die Gesundheit des Menschen gefährden.

Somit kommt einer regelmäßigen veterinärmedizinischen Untersuchung durch Sie als Tiermediziner ein besonders hoher Stellenwert zu. Die Kosten für die amtstierärztliche Beaufsichtigung trägt der Unternehmer eines Betriebs selbst. Daneben werden Veterinärassistenten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft als Organ zur Überwachung und Einhaltung der Vorschriften eingesetzt. Kommen Haustiere zu Tode, muss dies unverzüglich der zuständigen Behörde gemeldet werden. Dieser Meldung bedarf es nicht, wenn beispielsweise Kadaver von Schweinen in einem Betrieb durch eine zertifizierte Fachfirma regelmäßig abgeholt werden.

Tote Tiere werden in der Fleischindustrie als „tierische Nebenprodukte“ bezeichnet und wie Ausschussware behandelt, die in jedem Betrieb anfallen kann. Die Todesursache muss in solchen Fällen nicht durch Sie als Tierarzt überprüft werden. Mehr Transparenz in diesem Bereich, durch eine Überprüfung des entsprechenden Betriebs mit gefallenen Tieren, wäre im Sinne des Tierschutzes zu begrüßen.

Tiertransporte – Viel Rangelei ohne Ergebnis

Als Veterinärmediziner haben Sie mitunter nur eine geringe Einsicht in die tatsächlichen Zustände in einem Betrieb oder für Tiere während eines Tiertransports. Die Zahl der Tiere, die innerhalb Deutschlands und der EU transportiert werden, steigt weiter an. Jedes Jahr werden mehrere hundert Millionen Tiere in EU- oder Drittländer exportiert. Die Tiere stehen tagelang, teilweise bis zu zwei Wochen und länger auf engstem Raum zusammengepfercht in dunklen Lastwagen. Nicht selten kommen die Tiere tot am Zielort an. Die Tiere, dabei auch trächtige Schweine und Kühe, müssen oft tagelang ohne ausreichend Futter und Wasser auskommen. Auch Abladepausen gibt es nicht. In den Zielländern werden die Tiere häufig grausam, ohne den Einsatz einer Betäubung geschlachtet.

Erst ein Streik der Amtsveterinäre Anfang 2019 machte die Öffentlichkeit auf diese Zustände aufmerksam. Was ist seither geschehen? Das Thema ist zwar in der Politik angekommen, doch anstatt zu handeln, beginnt eine Rangelei um Zuständigkeiten. Nachdem das Thema nun einige Male in der Öffentlichkeit diskutiert wurde, ist es nun wieder still geworden. Die Politik scheint auf Zeit zu spielen, mit dem Wissen, dass Skandale oft genauso schnell verpuffen und aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwinden, wie sie aufgeflammt sind. Zudem wird dem Verbraucher eine Mitverantwortung auferlegt. Möchten Menschen die Lebensbedingungen von Nutztieren verbessern, sollen sie mehr zahlen.

Tierschutz: Das Fazit

Folgendes lässt sich festhalten: Die Gesetze und Regelungen lesen sich sehr gut. Ob diese allerdings in die Tat umgesetzt werden, ist fraglich. Eine politische Mehrheit, die sich gegen die aktuelle Lage ausspricht, gibt es aktuell nicht. Doch Sie als Tierärzte und Verbraucher benötigen die Unterstützung der Politik, um eine wirkliche Verbesserung für die Tiere zu erreichen. Dabei stellt sich immer die Frage, welche Interessen in Wahrheit unterstützt werden: die der Tiere oder die des wirtschaftlichen Wachstums.

Weiter zum Artikel Wann haftet der Tierarzt?

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Wann haftet der Tierarzt?

Tierarzt Haftung Covetrus Blog

Als Tierarzt tragen Sie eine große Verantwortung. Selbst scheinbar kleine Behandlungsfehler können schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Doch wann genau haften Sie und wer muss den Fehler beweisen? Grundlage für die Beantwortung dieser Fragen ist, inwiefern Sie sich nach den aktuellen medizinischen Standards verhalten haben. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs sind außerdem Sie als behandelnder Arzt und nicht der Besitzer des betroffenen Tieres in der Beweispflicht. Umso wichtiger ist, dass Sie Ihre ärztlichen Pflichten stets sorgfältig einhalten. Darunter fallen unter anderem eine umfassende Untersuchung sowie die Wahl, Durchführung und Dokumentation sachgemäßer Behandlungsmethoden. Zahlreiche Urteile aus den letzten Jahren zeigen, dass jeder Fall tatsächlich immer individuell betrachtet werden muss. Nicht zuletzt dann ist eine vollständige Dokumentation Ihrer Behandlung von großer Bedeutung. Hier erfahren Sie, wann Sie als Tierarzt haften, wie die Gerichte in Einzelfällen urteilten und wie Sie sich absichern.

Wann haftet der Tierarzt?

Wir schreiben das Jahr 2010. Ein Pferd wird von einem anderen Pferd gegen das Bein getreten und die Pferdebesitzerin ruft einen Tierarzt, um das geschädigte Tier zu behandeln. Dieser verschließt die Beinwunde ohne weitere Untersuchung und verlässt die Szene wieder. Später wird eine Beinfraktur festgestellt, die Behandlung ist erfolglos und das Tier muss eingeschläfert werden. Die Pferdebesitzerin verklagt den Tierarzt: Dieser hätte schon bei der ersten Behandlung eine Fissur, die zur Fraktur führen kann, erkennen müssen. Das Oberlandesgericht Oldenburg bestätigt den groben Behandlungsfehler in Form eines Befunderhebungsfehlers des Tierarztes. Doch führte dieser Fehler auch letztendlich zur Fraktur?

Lange Zeit waren es die Tierhalter, die Behandlungsfehler von Tierärzten nachweisen und auch die Kausalität von fehlerhaftem Verhalten und den Folgeschäden aufführen mussten. Ein Behandlungsfehler ist allgemein ein Fehler aufgrund der Zuwiderhandlung gegen allgemein anerkannte medizinische Standards. Als grob bezeichnet man einen solchen Behandlungsfehler dann, wenn er einem Arzt objektiv gesehen unter keinen Umständen unterlaufen darf.

Auf Grundlage des geschilderten Rechtsfalls von 2010 kam es am 10.05.2016 zu einem Urteil des Bundesgerichtshofs: Die in der Humanmedizin geltende Beweislastumkehr gilt auch für tiermedizinische Fälle. Aufgrund der besonderen Bedeutung von Fehlern bei der Behandlung von lebenden Organismen, wie es bei Menschen und Tieren der Fall ist, steht der behandelnde Arzt in der Beweislast.

Für Sie als Tierarzt bedeutet dies, dass Sie beweisen müssen, dass Sie Ihren ärztlichen Pflichten in jedem Punkt nachgekommen sind. Eine lückenlose Behandlungsaufklärung und Dokumentation sind dabei neben der sachgemäßen Behandlung wesentliche Kriterien. Anhand dieser kann der tiermedizinische Sachverständige, der im Falle eines Gerichtsprozesses eingeschaltet wird, Kausalitäten und Verantwortungen nachvollziehen.

Ihre Pflichten als Tierarzt

In dem Fall des geschädigten Pferdes sprach das Gericht dem Tierarzt einen Befunderhebungsfehler zu. Der Arzt hat es versäumt, das Pferd gründlich zu untersuchen, und somit eine unzureichende Diagnose gestellt, die zu einem Behandlungsfehler führte. Auch bei der Wahl und der Durchführung einer Behandlungsmethode können Fehler passieren, für die Sie als behandelnder Tierarzt haften. Dies zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Ansbach vom 13.07.2017. In diesem Fall führte ein Tierarzt eine Kastration eines Pferdes im Stehen durch und verschloss die OP-Wunden mit Metallklammern. Diese entfernte die Pferdebesitzerin später auf ärztliche Anweisung hin selbst. Eine Nachkontrolle durch den Arzt erfolgte nicht. In der Folge trat eine Samenstrangfistel beim Tier auf, die eine Folgebehandlung verlangte. Die Tierhalterin klagte gegen die Übernahme der zusätzlichen Kosten. Das Gerichtsurteil war klar: Der Arzt hatte sich für eine nicht aktuelle Kastrationsmethode entschieden, die das Tier unnötigen Risiken aussetzte. Auch verzichtete er auf die notwendige Nachkontrolle.

Ein ähnlicher Fall führte schon ein Jahr zuvor zu einem Gerichtsurteil. Laut dem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 12.09.2016 kam der behandelnde Arzt neben der unsachgemäßen Behandlung, die ein Multiorganversagen des Pferdes während der Kastration nach sich zog, seiner Aufklärungspflicht nicht nach. Der Arzt hatte vor der Operation den Pferdebesitzer weder über die unterschiedlichen Behandlungsmethoden noch über deren Risiken aufgeklärt. Laut einem Urteil vom 13.01.2015 des Oberlandesgerichts Hamm gilt eine vertragliche Aufklärungspflicht bei besonders risikoreichen Behandlungen. Dies beinhaltet sowohl eine Information über Risiken als auch über mögliche Behandlungsalternativen.

Schließlich stehen Sie in einer Dokumentationspflicht. Sie sind dazu verpflichtet, Tierhaltern die Behandlungsunterlagen ihrer Tiere auf deren Wunsch auszuhändigen, wie Laborberichte, Röntgenbilder und Operationsberichte. So musste nach einem Urteil des Amtsgerichts Mülheim an der Ruhr vom 21.07.2016 eine Hundehalterin die Kosten für eine Operation an ihrem Hund nicht übernehmen, da der Tierarzt diese nicht dokumentierte und auch die Röntgenbilder nicht bereitstellen konnte.

Besondere Fälle und Urteile

Behandlungsfehler können nicht nur dazu führen, dass Sie auf den Behandlungskosten sitzen bleiben. Unter Umständen kann der Tierhalter auch Schadensersatz verlangen. Dies ist vor allem bei wertvollen Tieren wie beispielsweise Sport- und Zuchtpferden der Fall. Bei finanziellen Interessen des Tierhalters sollen Sie also besonders die Aufklärungspflicht einhalten.

Neben Fehlern bei der Behandlung von Verletzungen und Krankheiten, zum Beispiel im Rahmen einer Operation, kann es auch bei mangelhaften Ankaufsuntersuchungen zu Streitfällen kommen. Grundsätzlich können sowohl der Verkäufer als auch der Tierarzt dafür haften, wenn der Käufer das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung des Tieres vor dem Kauf infragestellt und vom Kauf zurücktreten will. Hier können Sie sich absichern, indem Sie eine Haftungsbeschränkung mit dem Verkäufer vereinbaren.

Doch wer haftet, wenn Sie selbst bei der Behandlung eines Tieres Schäden erleiden? Ein solcher Fall landete 2016 vor dem Oberlandesgericht Hamm. Ein Tierarzt wurde während der Behandlung eines Fohlens von der Stute getreten. In der Regel haftet der Halter bei Schäden, die durch sein Tier entstehen. Jedoch ist zu klären, inwiefern auch der Tierarzt Verantwortung für das Verhalten des Tieres trägt, das zum Schaden führte. In dem speziellen Urteil wurde dem Tierarzt eine Mitschuld zugesprochen, da der Schaden verhindert hätte werden können. Die Reaktion der Stute sei voraussehbar gewesen, da sich beide Tiere zum Zeitpunkt der Behandlung in einer engen Box befanden und die Stute großem Stress ausgesetzt war. Auch hier ist also verantwortungsvolles und sachgemäßes Verhalten aus Sicht des Arztes gefragt.

Schließlich gibt es viele Situationen, bei denen ein Behandlungsfehler auftreten kann. Auch der Umfang und die Art der Haftung sind letztendlich immer im Einzelfall zu klären. Die sorgfältige Einhaltung und Erfüllung Ihrer Pflichten nach den aktuell bestehenden medizinischen Standards sind dabei maßgeblich für Ihre eigene Absicherung.

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Ferkelkastration: Die Narkose bei männlichen Saugferkeln durch den Landwirt

Ferkel im Strohstall. Thema: Ferkelkastration, die Narkose bei männlichen Saugferkeln durch den Landwirt

Kastrationsnarkose bei männlichen Saugferkeln: Fristverlängerung bis 2021

Die Kastration männlicher Ferkel zählt bereits seit Langem zu den Streitpunkten zwischen Tierschützern und Landwirten. Züchter verweisen in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit der Kastration, da das Fleisch der Tiere sonst aufgrund der Produktion männlicher Hormone einen strengen Geruch annehmen würde. Außerdem lässt sich auf diese Weise das aggressive Verhalten, das unkastrierte Eber an den Tag legen, eindämmen. Vollkommen schmerzfreie Verfahren der Ferkelkastration, die von Tierschutzorganisationen eingefordert und von Tierärzten befürwortet werden, verursachen jedoch deutlich höhere Kosten, die sich viele Betriebe nicht leisten können.

Bislang ist eine betäubungsfreie Ferkelkastration bis zum siebten Lebenstag möglich. Um dies zu ändern, nahm der Gesetzgeber eine Anpassung des Tierschutzgesetzes vor, die ursprünglich Anfang 2019 in Kraft treten und eine Kastration unter Schmerzen verbieten sollte. Nun wurde die Übergangsfrist allerdings erneut verlängert, nachdem sich bereits im Sommer des Vorjahres keine fristgerechte Umsetzung abzeichnete.

Für das Tierwohl: Änderung des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013

Nach langen Protesten der Tierschutzorganisationen bezüglich der unter Schmerzen stattfindenden Kastration von Ferkeln reagierte 2013 auch der Gesetzgeber, der eine Änderung des Tierschutzgesetzes, kurz TierSchG, beschloss. Diese beinhaltete unter anderem die Verpflichtung zu einer vollkommen schmerzfreien Kastration von Ferkeln.

Zugleich wurde § 5 Abs. 1 TierSchG angepasst, wonach auch Personen, die einen entsprechenden Sachkundenachweis vorweisen können, eine Narkose bei Ferkeln vornehmen dürfen. Zuvor stand diese Betäubung unter dem Tierärztevorbehalt. Die Voraussetzungen zum Erwerb des Nachweises sind jedoch durch eine Verordnung des Landwirtschaftsministeriums genau reglementiert. Die Durchsetzung beider Anpassungen wurde zudem auf den 1. Januar 2019 verschoben, um den Züchtern eine angemessene Zeit zur Erforschung schmerzloser Kastrationsmethoden zu gewähren.

Die vier diskutierten Wege zu einer schmerzfreien Ferkelkastration

Nicht nur unter Landwirten und Tierschützern entbrannte im Anschluss an die Gesetzesänderung eine lebhafte Diskussion über den idealen Weg zur schmerzlosen Kastration männlicher Saugferkel. Im Wesentlichen wurden dabei vier verschiedene Lösungsansätze herausgearbeitet, die Ihnen nachfolgend kurz erläutert werden sollen:


Lokalanästhesie

Ein vorwiegend von Züchtern favorisierter Ansatz ist die Lokalanästhesie. Problematisch dürfte allerdings sein, dass diese Variante nicht mit dem Wortlaut des Tierschutzgesetzes vereinbar ist, da eine vollkommen schmerzlose Behandlung nicht garantiert werden kann.

Immunokastration

Ein in einigen Ländern bereits etablierter Ansatz ist die Unterdrückung der Hormonproduktion durch impfstoffähnliche Injektionen. Auf diese Weise kann die Entfernung der Hoden unterbleiben, ohne dass der als unangenehm empfundene Ebergeruch auf das Fleisch abfärbt.

Ebermast

Gänzlich ohne hormonelle oder chirurgische Eingriffe kommt die Ebermast aus. Allerdings sehen Landwirte ihre Absatzchancen bei dieser Variante in Gefahr, da das Fleisch eine unappetitliche Geruchskomponente annimmt.

Chirurgische Entfernung und Vollnarkose

Zuletzt besteht der Ansatz der Hodenentfernung unter Vollnarkose. Als bewährtes Narkosemittel hat sich hierbei das Gas Isofluran durchgesetzt. Mithilfe der Auflockerung des Tierärztevorbehaltes könnten die Züchter selbst den erforderlichen Sachkundenachweis führen.

Verlängerung der Übergangsfrist bis 2021 und Verordnung zum Sachkundenachweis

Bereits im September 2018 ließ das Bundeslandwirtschaftsministerium öffentlich durchklingen, dass eine Einhaltung der ursprünglichen Frist wohl zu gravierenden Auswirkungen bei zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben führen würde. Die Befürchtung, dass viele Züchter die neuen Anforderungen an die Ferkelkastration nicht einhalten könnten, war zu groß, sodass man sich entschied, die Frist um weitere zwei Jahre zu verlängern. Somit greift die bereits 2013 verabschiedete Änderung erst ab dem 1. Januar 2021.

Die durch das Landeswirtschaftsministerium erlassene Verordnung über den zu erbringenden Sachkundenachweis bedarf noch der Zustimmung der Legislativorgane. Gelingt dieser Schritt, können auch Landwirte den Nachweis, der aktuell noch Ihnen als Tierarzt vorbehalten ist, führen. Dies sorgt nicht nur unter Tierschützern, sondern auch Veterinärmedizinern für große Entrüstung, da mögliche Komplikationen während der Narkose nur auf Basis einer umfassenden tierärztlichen Ausbildung erkannt und behandelt werden können.

Der Bienendoktor

Bienen

Die Honigbiene spielt eine entscheidende Rolle für die biologische Vielfalt und die Produktion von Nahrungsmitteln für den Menschen. Intensive Landwirtschaft, Krankheiten und Parasiten setzen in Teilen der Welt die Population unter Druck. Giovanni Formato ist Experte für Honigbienen und setzt sich in seinem Labor für die Gesundheit der Bienen ein. Er sieht hierin eine wichtige Aufgabe für Tiermediziner.

Die Bienen zählen zu den am härtesten arbeitenden Lebewesen der Welt. Zusammen mit anderen Bestäubern sorgen sie für die Kreuzung und die Vermehrung und somit für die Vielfalt zahlloser Wild- und Kulturpflanzen. Daher haben Bienen eine zentrale Bedeutung für das Wohlergehen und die Lebensgrundlage der Menschen. Weltweit sind rund zwei Drittel der für den menschlichen Verzehr angebauten Nahrungsmittel auf Bestäubung angewiesen. Darüber hinaus produzieren Bienen weltweit jährlich 1,7 Milliarden Tonnen Honig (ganz zu schweigen von anderen Bienenprodukten wie Pollen, Propolis, Gelée Royale und Wachs). Infolge von intensiver Landwirtschaft, Pestizideinsatz, Krankheits- und Parasitenbefall hat die Anzahl der Bienen in Teilen der Welt drastisch abgenommen. Dies könnte erhebliche Konsequenzen auf unsere Nahrungsversorgung haben.

Während der Bienensektor in den Niederlanden keine wesentliche Bedeutung hat, ist er in einigen Ländern Südeuropas – insbesondere im Mittelmeerraum – sowie in den USA ein ernstzunehmender Wirtschaftszweig. Dies gilt auch für Italien, wo sich „Bienendoktor“ Giovanni Formato Tag für Tag intensiv dafür einsetzt, die Gesundheit von Bienen und Verbrauchern gleichermaßen zu erhalten.

Mit einem Arzt als Vater und einer Mutter, die ehemals als Krankenschwester tätig war, stammt der 1970 geborene Giovanni aus einem medizinisch geprägten Umfeld. Dennoch entschied er sich nicht für Human- sondern für Veterinärmedizin. „Natürlich hätte ich mir trotzdem niemals vorstellen können, dass ich letzten Endes mit Bienen arbeiten würde. Ich begann mein Studium mit dem Gedanken, Haustier-Veterinär zu werden. Später änderte sich meine Vorliebe hin zu Nutztieren.“ Nachdem er den entsprechenden Abschluss erworben hatte, arbeitete er eine Weile als Volontär, u. a. bei dem wissenschaftlichen Institut, wo er auch heute noch tätig ist. Anschließend absolvierte er ein Masterstudium in Pathologie der Honigbienen an der Universität Pisa. „Als ich hier anfing, wurde der Bienensektor nicht sehr ernst genommen; man betrachtete ihn eher als etwas für Leute, die sich hobbymäßig mit Bienen beschäftigen. Ich begann damit, Protokolle für Bienenkrankheiten zu erarbeiten. Später bat man mich, innerhalb unseres Instituts einen Bereich für Bienenforschung aufzubauen, aus dem letztlich das Labor für Bienenkunde wurde, das ich heute leite.“

In seiner Abteilung fokussiert sich Giovanni auf Krankheiten der Honigbiene. „Wir entwickeln Präventionsmethoden für Bienenzüchter, um sie zu befähigen, ihre Bienenvölker gesund zu erhalten und Krankheiten erkennen und dagegen angehen zu können. Wir arbeiten eng mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen zusammen, da das Interesse an Nahrungsmittelsicherheit und biologischer Vielfalt groß ist.

Bedeutung der Bienen

„Bienen sind nicht nur aufgrund ihrer Produkte, wie z. B. Honig, von großer Bedeutung, sondern vor allen Dingen, weil sie die biologische Vielfalt und die Pflanzenproduktion garantieren“, so Giovanni. „Ein Großteil der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen wird durch Bienen bestäubt. Aus diesem Grund sind sie unverzichtbar für die weltweite Nahrungsmittelproduktion. Da Bienen ihre wichtige Tätigkeit im Grunde kostenlos ausführen, wurde ihnen bislang keine große Aufmerksamkeit geschenkt. In den letzten Jahren gab es jedoch eine alarmierende Anzahl an Fällen von massivem Bienensterben, wodurch die Bedeutung einer gesunden Bienenpopulation größere Beachtung fand. Mit unserem Institut versuchen wir weltweit, Regierungen diese Wichtigkeit zu vermitteln und gemeinsam mit ihnen arbeiten wir an der Bekämpfung von Krankheiten, die den Bestand der Honigbienen bedrohen. Unser Ziel ist es, die Qualität der Bienenhaltung zu verbessern und Bienenprodukte auf ein hohes Niveau zu bringen und dieses auch langfristig zu halten.“

Bienenstöcke
In seiner Abteilung fokussiert sich Giovanni auf Krankheiten der Honigbiene.
Foto: Privat von Giovanni Formato.

Gefahren für die Bienen

Laut Giovanni sind Bienenvölker durch eine Vielzahl von Faktoren gefährdet. „Durch den globalen Handel mit Bienenvölkern sowie mit Obst und anderen Feldfrüchten verbreiten sich alle möglichen Krankheitserreger und Parasiten extrem schnell. So z. B. der Kleine Beutenkäfer () Aethina tumida ), ein Parasit, der ursprünglich aus Südafrika stammt, jedoch schon seit fünf Jahren auch in Süditalien auftritt, und ganze Bienenvölker vernichten kann. Bienenzüchter und Tiermediziner gleichermaßen sind auf dieses Szenario nicht hinreichend vorbereitet. Ihnen fehlen das erforderliche Wissen, die Ressourcen und eine funktionierende Zusammenarbeit, um den Käfer erfolgreich zu bekämpfen. Auch wenn es gelungen ist, den Parasiten in Sizilien auszurotten, lässt sich die Ausbreitung auf dem Festland nicht mehr aufhalten und er wird sich letztlich in ganz Europa ausbreiten. Das einzige, was wir tun können, ist, die Bienenhalter zu informieren, wie die Kontamination verhindert und somit die Verbreitung verlangsamt werden kann.“ In den USA breitete sich der Kleine Beutenkäfer innerhalb von vier Jahren von Kalifornien in alle anderen Bundesstaaten aus und hatte damit verheerende Folgen für die Bienenpopulation.

Eine weitere Bedrohung für die Bienen stellt die intensive Landwirtschaft dar. „Aufgrund des in der Landwirtschaft praktizierten Monokultur-Anbaus finden Bienen nicht mehr ausreichend Nahrung“, erklärt Giovanni. „Auf der ganzen Welt findet man vielerorts extensiv bewirtschaftete Bereiche, in denen nur eine einzige Kulturpflanzensorte, wie z. B. Soja, angebaut wird. Damit können Bienen nichts anfangen. In der Landwirtschaft ist unbedingt ein nachhaltigeres Konzept mit einer größeren Artenvielfalt erforderlich. Möglich wird dies durch den Anbau von Kulturpflanzen, von denen Bienen und andere Bestäuber sich ernähren können sowie durch die Bereitstellung von honigtragenden Pflanzen (Trachtpflanzen), die in von starker Monokultur geprägten Regionen eine Futterquelle für die Bienen darstellen.“

Auch der häufige Pestizideinsatz in der Landwirtschaft hat katastrophale Folgen für die Bienen. „Besonders im Frühjahr, wenn sie vielerorts massive Vergiftungen hervorrufen“, so Giovanni. „Dies hat nicht nur große Verluste bei den Bienenbeständen zur Folge, sondern das eingesetzte Gift landet letztlich auch im Honig und anderen Erzeugnissen aus der Bienenzucht. In einigen Regionen ist es aufgrund der fatalen Kombination aus Monokultur und Pestiziden nicht einmal mehr möglich, Bienen zu halten.“

Mangel an Wissen

Trotz der zahlreichen Bedrohungen, mit denen die Honigbienen zu kämpfen haben, ist – im Widerspruch zur landläufigen Meinung – kein globaler Rückgang in der Bienenpopulation festzustellen. „Im Gegenteil. Tatsächlich nimmt die Anzahl der Honigbienen weltweit zu“, erklärt Giovanni. „Laut der FAOSTAT ist eine gewisse Zunahme zu erkennen, insbesondere in Asien.“ Das bedeutet jedoch nicht, dass es keinen Anlass zur Sorge gibt. „Die Verbreitung sowie die Zunahme von Bienenkrankheiten über ganze Kontinente hinweg ist ein Grund für große Besorgnis. Ich hoffe sehr, dass Tiermediziner sich stärker auf dem Bienensektor engagieren werden. Ihre Fachkompetenz wird dringend benötigt. Nicht nur zur Erkennung und Bekämpfung von Krankheiten, sondern auch, um Bienenzüchter über eine gute Bienenhaltungspraxis (Good Beekeeping Practices, GBP) zu informieren und somit andere Probleme (Sterblichkeit von Honigbienen, Anwendung von Tierarzneimitteln) zu verhindern. Leider verwenden Bienenzüchter mitunter alle möglichen legalen und illegalen Substanzen, einschließlich Antibiotika – eine Praxis, die nur unzureichend durch Tierärzte oder andere Behörden kontrolliert wird. Allerdings herrscht auch bei den Tiermedizinern ein großer Mangel an Wissen.

An zahlreichen veterinärmedizinischen Fakultäten findet dieses Thema nur geringe oder gar keine Beachtung und es gibt so gut wie keine Regulierung. Es ist jedoch wie bei anderen Nutztieren – denn genau das sind sie – auch: Eine gute Regulierung ist wichtig für Wohlergehen und Nahrungsmittelsicherheit gleichermaßen. Tiermediziner spielen dabei eine wichtige Rolle: Mit verantwortungsvoller Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten und einer guten Unterstützung beim Umgang mit diesen kann viel erreicht werden. Glücklicherweise wird dies auch in der Welt der Tiermedizin erkannt und zunehmend steht im Studium der Veterinärmedizin auch die Bienenheilkunde auf den Lehrplänen.“ Seit dem laufenden Studienjahr bietet die veterinärmedizinische Fakultät in Utrecht einen Fakultativ-Kurs in Bienengesundheit für Studenten im zweiten Studienjahr an.

Regierungen

Auch Regierungen spielen eine wichtige Rolle, stellt Giovanni fest. „Erst einmal mit einer guten Politik für eine nachhaltigere Landwirtschaft und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Bienenzüchtern und Tiermedizinern. Darüber hinaus plädiere ich für strenge Regulierungen im Hinblick auf den Einsatz von Medikamenten. Dieser sollte nur auf Rezept eines Veterinärs hin gestattet sein. Auf europäischer Ebene hat die EU jetzt Mittel für Bienenhalter bereitgestellt, die bei der Bekämpfung von Krankheiten und Parasiten einen nachhaltigen Ansatz verfolgen oder sich für Bienenarten entscheiden, die eine höhere Resistenz gegen diese aufweisen. Ich habe den Eindruck, dass der Landwirtschaftssektor sowie nationale und supranationale Organisationen zunehmend die Bedeutung einer gesunden und nachhaltigen Bienenhaltung erkennen.

“Es ist wichtig, dass die Welt der Tiermedizin nachfolgt. Giovanni erzählt: „Als ich mit dem Studium der Tiermedizin begann, ging es hauptsächlich um Rinder und Pferde. Später jedoch wurde zunehmend auch Hunden und Katzen Aufmerksamkeit geschenkt und heute beispielsweise auch der Aquakultur. Die Veterinärmedizin folgt diesbezüglich den Bedürfnissen der Gesellschaft. Ich hoffe, dass auch der Bereich der Bienenzucht seitens der Tiermediziner die Aufmerksamkeit erhalten wird, die ihm zusteht. Denn, wenn die Tierärzte sich nicht darum kümmern, werden es andere tun – mit allen daraus folgenden Konsequenzen. Denn nur Tiermediziner verfügen über ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten auf dem Gebiet der Medizin und der Pathologie. Daher müssen sie sich meiner Meinung nach dieser Sache annehmen.“

„Es ist wichtig, dass die Bienen wie jeder andere Nutztiersektor behandelt werden. Nicht nur im Interesse von Tierärzten und Bienenzüchtern, sondern auch für die öffentliche Gesundheit, die Sicherheit von Nahrungsmitteln und den Schutz natürlicher Lebensräume.“

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Die Biographie von Giovanni Formato (1970)

Studium: Veterinärmedizin, Universität Bologna (1998), Master in Lebensmittelsicherheit von Tierprodukten – Universität Bologna (2003), Master in der Pathologie der Honigbienen, Universität Pisa (2009).

Tätigkeit: Leitung des Labors für Bienenzucht, Honigbienenprodukte und -krankheiten, Istituto Zooprofilattico Sperimentale del Lazio e della Toscana (IZSLT), Rom.

Außerdem: Vorsitzender des italienischen wissenschaftlichen Veterinärausschusses für Bienenzucht (Società Scientifica Veterinaria per l’Apicoltura; SVETAP).

Quelle:

Dieser Artikel wurde aus dem Niederländischen übersetzt und erstmals in der Juniausgabe 2019 des von Covetrus Netherlands herausgegebenen Tierarztmagazins VET veröffentlicht.

Author: Joan Koele.

Tipps für einen katzenfreundlichen Tierarztbesuch

Katze in der Tierarztpraxis mit dem Stetoskop - Tipps für eine katzenfreundliche Praxis

Vorbereitungstipps für Katzenhalter, die Ihre Praxis besuchen

Der erste Schritt bei der Vorbereitung eines Katzenbesuchs in Ihrer Praxis ist die Vorbereitung der Katzenbesitzer. Die American Association of Feline Practitioners (AAFP) und die International Society of Feline Medicine (ISFM) gibt Katzenhaltern folgende Tipps:

  • Machen Sie die Katzen mit Transportboxen oder Tragetaschen vertraut.
  • Nehmen Sie etwas mit, das den Geruch von Zuhause trägt (ein Spielzeug oder eine Decke).
  • Proben Sie Besuche und Untersuchungen. Die Verwendung positiver Assoziationen durch Leckereien und ein beruhigendes Lob kann zu gewünschten Reaktionen und Verhaltensweisen führen.
  • Bleiben Sie ruhig. Ihre eigene Angst oder Ihr eigener Stress kann sich auf Ihre Katze übertragen.
  • Informieren Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt im Voraus, wenn Ihre Katze schnell ängstlich oder gestresst reagiert.

Tipps wie Sie Ihre Praxis katzenfreundlich gestalten können

  • Je nach Größe der Praxis können Katzen und Hunde voneinander ferngehalten werden.
  • Schaffung separater Wartebereiche durch Rücken an Rücken gedrehte Sitzgelegenheiten.
  • Ein separater Tisch im Wartezimmer ermöglicht den Katzenbesitzern, ihre Transportboxen und Tragetaschen außerhalb der Sicht von Hunden und anderen Tieren aufzustellen.
  • Ermöglichen Sie den Katzen freie Bewegung in Ihrem Untersuchungsraum während Sie sich mit dem Katzenhalter besprechen.
  • Platzieren Sie kleine Waagen in den Untersuchungsräumen, damit die Katzen den Raum nicht zum Wiegen verlassen müssen.
  • Sie können auch einen mit Doppeltüren ausgestatteten Käfig nutzen, so dass Katzen aus mehreren Winkeln angefasst werden können, was dazu beiträgt, dass sie sich ihnen nicht von vorne nähern müssen.

Quellen:

https://todaysveterinarynurse.com/articles/becoming-a-cat-friendly-practice/
https://www.avma.org/News/JAVMANews/Pages/120301m.aspx
https://www.avma.org/News/JAVMANews/Pages/101101a.aspx
http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1016/j.jfms.2011.03.012
https://www.catvets.com/cfp/cfp
https://vetsuccess.com/blog/certified-cat-friendly-practice/
https://www.catvets.com/public/PDFs/PracticeGuidelines/NursingCareGLS.pdf

Covetrus unterstützt die Ausbildung von Begleithunden

Covetrus unterstützt die Ausbildung von Begleithunden. Das Team in den USA hat in dieser Woche das 2.000ste Welpenbetreuungspaket übergeben

Das Team in den USA hat in dieser Woche das 2.000ste Welpenbetreuungspaket übergeben. Die Initiative fördert die Entwicklung und Ausbildung von Servicehunden, die Menschen mit Behinderungen helfen, ihre Unabhängigkeit zu erhöhen.

Hierbei arbeiten die Covetrus-Mitarbeiter mit der gemeinnützigen Organisation „Canine Companions for Independence“ zusammen, die hochqualifizierte Assistenzhunde kostenlos für den Empfänger bereitstellt. „Wir freuen uns sehr, dass wir unser 2.000. Welpenbetreuungspaket zur Unterstützung von Canine Companions for Independence geliefert haben“, sagte Davey Stone, Vice President, Specialty Markets and Corporate Philanthropy, Covetrus. „Diese philanthropische Initiative wurde von Covetrus-Mitarbeitern konzipiert und geleitet, die Freiwillige unterstützen wollen, die Welpen für Hundebegleiter und die Tierärzte, die ihre Pflege leisten, aufziehen.“

Die 2.000ste Box wurde an Dr. Lee Kaplow vom Lakeside Pet Hospital in Folsom, CA, geliefert, der sie wiederum an die freiwillige Welpenzüchterin Kim Brewer übergab. Die Fig, eine Labrador Retrieverin, aufzieht. Ein Puppy Care Package enthält Produkte im Wert von 350 Dollar, die von Covetrus und Tiergesundheitsunternehmen wie Boehringer-Ingelheim, Kong Veterinary Products, Midmark Corporation, Nutramax und Virbac Animal Health bezogen werden.

„Wir sind Covetrus und ihren Partnern dankbar, dass sie die Pakete für die Welpenbetreuung zur Verfügung gestellt haben“, sagte Brenda Kennedy, nationale Direktorin für Hundegesundheit und Forschung bei Canine Companions. Die Welpenzüchter sind für die Sozialisierung und Ausbildung der Welpen verantwortlich. Die ersten 18 Monate sind entscheidend für die Ausbildung zukünftiger Assistenzhunde. In dieser Zeitspanne muss der Welpe 25 Befehle erlernen, die es ihm ermöglichen, seinen zukünftigen Partnern zu helfen, einschließlich des Öffnens von Türen, dem Bergen von Gegenständen oder dem Ziehen eines Rollstuhls. Nach 18 Monaten gehen die Welpen für weitere vier bis sechs Monate in die professionelle Ausbildung. Nach dem Abschluss werden sie wieder mit ihrem Welpenzüchter vereint und ihrem lebenslangen Partner vorgestellt.

Zahnmedizin für Haustiere ist mehr als Routine

In vielen Tierarztpraxen und -kliniken wird die Zahnpflege als Routineangebot betrachtet oder sogar vernachlässigt. Die Tiergebisse werden möglicherweise gereinigt oder bei Problemen Zähne gezogen. Doch für bedürftige Tiere gibt es genau wie in der humanen Zahnmedizin neue Ansätze in der spezialisierten Behandlung. Einige Tierärzte und -ärztinnen haben das bereits erkannt und Wege gefunden, sich in fortgeschrittener Pflege und Zahntechnik ausbilden zu lassen, ähnlich wie das, was für die Bedürfnisse der menschlichen Zähne verfügbar ist. Die Ausbildung reicht von der Behandlung verschiedener Parodontalerkrankungen über die Endodontie bis hin zur Radiologie.

Parodontalerkrankungen sind die häufigsten klinischen Zahnbeschwerden, die bei der Untersuchung von Haustieren wie Katzen und Hunden auftreten. Tierärzte können in diesem Bereich zu Spezialisten ausgebildet werden, um die Untersuchung der Maulhöhle, Zahnreinigung, Zahnsteinentfernung und Politur, zahnärztliche Röntgenaufnahmen, das Begutachten der Aufnahmen mit anschließender Diagnose und sogar Zahnfleischchirurgie durchzuführen. Es gibt die Möglichkeit der Parodontaloperationen, einschließlich des Knochenregenerationsverfahrens.

Im Bereich der Endodontie können Behandlungstherapien angeboten werden, die den Zahn einschließlich der Pulpa des Zahnes, seiner Nerven und Blutgefäße betreffen. In der Orthodontie können auch bei Haustieren Zahn- und Skelettfehlstellungen korrigiert werden. Durch den Einsatz von Chirurgie- und Kieferorthopädiegeräten werden Tierärzte zu Spezialisten weitergebildet, damit sie u.a. die Ursachen von Zahnfehlstellungen feststellen, die Wiederherstellung der Gesichtssymmetrie oder eine Korrektur von Zahnfehlbildungen vornehmen können.

Ein Einsatz von Prothetik kann dem kranken Tier helfen, beschädigte Zähne zu stärken, Zähne zu erhalten, die eine Fraktur aufweisen, mögliche Schmerzen minimieren, die durch beschädigte Zähne mit freiliegenden Nerven und Pulpa verursacht werden. Die Funktion fehlender Zähne kann durch den Einsatz von Implantaten wiederhergestellt werden.

Die Schulung im Bereich der Radiologie vermittelt dem Spezialisten das Verständnis für die Entwicklung und Anwendung von Röntgenuntersuchungen und Zahnkarten. Dieses Fachgebiet ist besonders wichtig für die Maul-, Kiefer- und Gesichtschirurgie beim Haustier mit ernsten Bedürfnissen durch einen Gaumenfehler, Zahnverlust, Maultumoren oder Kieferfrakturen und Kieferaufbau.

Die Zahnmedizin für Haustiere ist ein so umfangreiches Feld wie die Zahnheilkunde für den Menschen. Sie spielt eine große Rolle für den Gesamtgesundheitszustand und das Wohlbefinden eines Tieres und sollte auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Quelle:

https://www.henryscheinvet.com/Home/dentistry/2017/02/15/specialized-dentistry-for-pets