Ferkelkastration: Die Narkose bei männlichen Saugferkeln durch den Landwirt

Ferkel im Strohstall. Thema: Ferkelkastration, die Narkose bei männlichen Saugferkeln durch den LandwirtFerkel im Strohstall © Countrypixel / Fotolia

Kastrationsnarkose bei männlichen Saugferkeln: Fristverlängerung bis 2021

Die Kastration männlicher Ferkel zählt bereits seit Langem zu den Streitpunkten zwischen Tierschützern und Landwirten. Züchter verweisen in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit der Kastration, da das Fleisch der Tiere sonst aufgrund der Produktion männlicher Hormone einen strengen Geruch annehmen würde. Außerdem lässt sich auf diese Weise das aggressive Verhalten, das unkastrierte Eber an den Tag legen, eindämmen. Vollkommen schmerzfreie Verfahren der Ferkelkastration, die von Tierschutzorganisationen eingefordert und von Tierärzten befürwortet werden, verursachen jedoch deutlich höhere Kosten, die sich viele Betriebe nicht leisten können.

Bislang ist eine betäubungsfreie Ferkelkastration bis zum siebten Lebenstag möglich. Um dies zu ändern, nahm der Gesetzgeber eine Anpassung des Tierschutzgesetzes vor, die ursprünglich Anfang 2019 in Kraft treten und eine Kastration unter Schmerzen verbieten sollte. Nun wurde die Übergangsfrist allerdings erneut verlängert, nachdem sich bereits im Sommer des Vorjahres keine fristgerechte Umsetzung abzeichnete.

Für das Tierwohl: Änderung des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013

Nach langen Protesten der Tierschutzorganisationen bezüglich der unter Schmerzen stattfindenden Kastration von Ferkeln reagierte 2013 auch der Gesetzgeber, der eine Änderung des Tierschutzgesetzes, kurz TierSchG, beschloss. Diese beinhaltete unter anderem die Verpflichtung zu einer vollkommen schmerzfreien Kastration von Ferkeln.

Zugleich wurde § 5 Abs. 1 TierSchG angepasst, wonach auch Personen, die einen entsprechenden Sachkundenachweis vorweisen können, eine Narkose bei Ferkeln vornehmen dürfen. Zuvor stand diese Betäubung unter dem Tierärztevorbehalt. Die Voraussetzungen zum Erwerb des Nachweises sind jedoch durch eine Verordnung des Landwirtschaftsministeriums genau reglementiert. Die Durchsetzung beider Anpassungen wurde zudem auf den 1. Januar 2019 verschoben, um den Züchtern eine angemessene Zeit zur Erforschung schmerzloser Kastrationsmethoden zu gewähren.

Die vier diskutierten Wege zu einer schmerzfreien Ferkelkastration

Nicht nur unter Landwirten und Tierschützern entbrannte im Anschluss an die Gesetzesänderung eine lebhafte Diskussion über den idealen Weg zur schmerzlosen Kastration männlicher Saugferkel. Im Wesentlichen wurden dabei vier verschiedene Lösungsansätze herausgearbeitet, die Ihnen nachfolgend kurz erläutert werden sollen:


Lokalanästhesie

Ein vorwiegend von Züchtern favorisierter Ansatz ist die Lokalanästhesie. Problematisch dürfte allerdings sein, dass diese Variante nicht mit dem Wortlaut des Tierschutzgesetzes vereinbar ist, da eine vollkommen schmerzlose Behandlung nicht garantiert werden kann.

Immunokastration

Ein in einigen Ländern bereits etablierter Ansatz ist die Unterdrückung der Hormonproduktion durch impfstoffähnliche Injektionen. Auf diese Weise kann die Entfernung der Hoden unterbleiben, ohne dass der als unangenehm empfundene Ebergeruch auf das Fleisch abfärbt.

Ebermast

Gänzlich ohne hormonelle oder chirurgische Eingriffe kommt die Ebermast aus. Allerdings sehen Landwirte ihre Absatzchancen bei dieser Variante in Gefahr, da das Fleisch eine unappetitliche Geruchskomponente annimmt.

Chirurgische Entfernung und Vollnarkose

Zuletzt besteht der Ansatz der Hodenentfernung unter Vollnarkose. Als bewährtes Narkosemittel hat sich hierbei das Gas Isofluran durchgesetzt. Mithilfe der Auflockerung des Tierärztevorbehaltes könnten die Züchter selbst den erforderlichen Sachkundenachweis führen.

Verlängerung der Übergangsfrist bis 2021 und Verordnung zum Sachkundenachweis

Bereits im September 2018 ließ das Bundeslandwirtschaftsministerium öffentlich durchklingen, dass eine Einhaltung der ursprünglichen Frist wohl zu gravierenden Auswirkungen bei zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben führen würde. Die Befürchtung, dass viele Züchter die neuen Anforderungen an die Ferkelkastration nicht einhalten könnten, war zu groß, sodass man sich entschied, die Frist um weitere zwei Jahre zu verlängern. Somit greift die bereits 2013 verabschiedete Änderung erst ab dem 1. Januar 2021.

Die durch das Landeswirtschaftsministerium erlassene Verordnung über den zu erbringenden Sachkundenachweis bedarf noch der Zustimmung der Legislativorgane. Gelingt dieser Schritt, können auch Landwirte den Nachweis, der aktuell noch Ihnen als Tierarzt vorbehalten ist, führen. Dies sorgt nicht nur unter Tierschützern, sondern auch Veterinärmedizinern für große Entrüstung, da mögliche Komplikationen während der Narkose nur auf Basis einer umfassenden tierärztlichen Ausbildung erkannt und behandelt werden können.

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