Lungenwürmer bei Hund und Katze

Thema: Lungenwurm bei Hund und Katze. Jetzt im Covetrus Blog lesen.Lungenwurm bei Hund und Katze. ©Tatyana Gladskih | Adobe Stock

Das Auftreten von Lungenwürmern unter Hunden und Katzen galt bis vor zwei Jahrzehnten noch vor allem auf endemische Hotspots in Frankreich, England und Dänemark beschränkt. In den vergangenen Jahren finden diese Parasiten allerdings immer weitere Verbreitung und stellen eine Herausforderung in der Kleintierpraxis dar. Neben dem steigenden Infektionsdruck durch die Verbreitung in der Wildtierpopulation (vor allem unter Füchsen) begünstigt der Zugang zu Zwischenwirten durch Freilauf der Hunde und Katzen eine Aufnahme der Parasiten. Darüber hinaus kann ein Befall mit Lungenwürmern über lange Zeit asymptomatisch verlaufen und wird daher oft spät oder gar nicht diagnostiziert. Zieht man in Betracht, dass Lungenwürmer gravierende bis letale pathologische Folgen nach sich ziehen können, die Prognose allerdings bei einer rechtzeitigen Diagnose und Behandlung mit effektiven Anthelminthika sehr gut ist, ist der geschärfte tierärztliche Fokus auf diese Parasiten lohnend.

Angiostrongylus vasorum, Crenosoma vulpis und Aelurostrongylus abstrusus – die häufigsten Lungenwürmer bei Hund und Katze

Unter den vier in Zentraleuropa vorkommenden Lungenwürmern des Hundes sind die beiden Fadenwürmer Angiostrongylus vasorum und Cremosoma vulpis am weitesten verbreitet. Die parasitierenden weiblichen Würmer legen dabei jeweils ihre Eier ab, aus denen sich in der Lunge des Hundes das erste Larvenstadium entwickelt. Dieses wird über die Trachea in den Schlund transportiert, gelangt von dort in den Magen-Darm-Trakt und wird mit dem Kot ausgeschieden. Als Zwischenwirt für eine Entwicklung vom Larvenstadium I zum infektiösen Larvenstadium III dienen Schnecken. Die Hunde infizieren sich entweder durch den Verzehr infizierter Schnecken selbst oder durch eine orale Aufnahme infektiöser Larven etwa durch das Fressen von Gras. Der weitere Infektionsweg der Larven III erfolgt über den Darm des Hundes, die Darmwand, auf dem Blutweg in die Leber und von dort über das Herz in die Lunge.
Unter den Katzen ist Aelurostrongylus abstrusus der am weitesten verbreitete Nematode des Respirationstraktes. Eine Studie unter 4.067 Katzen in der Schweiz ergab dabei im Jahr 2018 eine Prävalenz von 10,7 Prozent. Der Infektionsweg verläuft hierbei äquivalent zu den Lungenwürmern des Hundes mit dem Unterschied der Aufnahme der infektiösen Larven. Während für Aelurostrongylus abstrusus ebenfalls Schnecken als Zwischenwirt fungieren, nehmen Katzen die infektiösen Parasiten vor allem über ihre Beutetiere, Mäuse, Vögel und Frösche, auf, die als paratenische Wirte dienen.

Klinische Symptome einer Lungenwurminfektion

Eine Infektion mit C. vulpis bei Hunden führt zu respiratorischen Symptomen wie Husten, Tachypnoe, Schleimauswurf, Nasenausfluss und Niesen. Das Spektrum der klinischen Symptome einer Infektion mit A. vasorum hingegen ist deutlich breiter, weshalb auch bei nicht respiratorischen Symptomen eine Abklärung auf einen Befall mit Lungenwürmern angezeigt sein kann. Mit A. vasorum infizierte Hunde können gänzlich ohne klinische Symptome bleiben. In den häufigsten Fällen dominieren auch hier respiratorische Anzeichen. Gerade im Fall von chronischen Verläufen können allerdings auch Koagulopathien, Anorexie, Leistungsintoleranz und Störungen des zentralen Nervensystems auftreten. Ein Verschluss der Lungen- oder anderer wichtiger Arterien beziehungsweise eine Herzinsuffizienz kann letale Folgen haben.
Ein Befall der Katze mit Aelurostrongylus abstrusus bleibt in vielen Fällen asymptomatisch. Treten Symptome auf, handelt es sich um respiratorische Beeinträchtigungen, Husten und diffuse Erscheinungen wie Leistungsintoleranz.

Infektionsgefahr für Haustierbesitzer

Die drei Haupt-Lungenwürmer bei Hund und Katze sind für den Menschen ungefährlich. Anders sieht es jedoch beim Lungenhaarwurm (Capillaria aerophila) aus. Dieser kosmopolitische Parasit ist vor allem bei Wildcaniden und Igeln vorzufinden, kann aber in seltenen Fällen auch Haushund und Katze befallen. Auch Infektionen des Menschen sind nicht gänzlich ausgeschlossen. Diese erfolgt über die orale Aufnahme infektiöser Larven, die sich in den Atemwegen etablieren und zu Bronchitis und Husten führen können.

Die Diagnostik von Lungenwürmern

Die gängige Diagnostik von Lungenwürmern erfolgt über die Untersuchung des frischen Kots, aufgrund der unterschiedlichen Ausscheidung der Larven in einer 3-Tages-Sammelprobe im Larven-Auswanderverfahren nach Baermann-Wetzel. Die Larven werden dabei frühestens 40 Tage nach einer erfolgten Infektion im Kot ausgeschieden.
Ebenfalls möglich ist ein Nachweis zirkulierender Antigene und Antikörper mittels ELISA. Für den Aelurostrongylus abstrusus der Katze ist diesem Verfahren dabei eine wachsende Bedeutung beizumessen, da die Ausscheidung der Larven über den Kot früh sistieren kann. Bildgebende Verfahren können darüber hinaus Auskunft über Verlauf und Schweregrad der Infektion geben und eine Behandlung unterstützen.

Behandlung eines Befalls mit Lungenwürmern

Eine Behandlung erfolgt sowohl für C. vulpis als auch A. vasorum mit Anthelminthika aus der Gruppe der makrozyklischen Laktone. Empfohlen wird etwa eine Dosis von 2,5 mg/kg Körpergewicht Moxidectin in einer Spot-On-Behandlung mit einer möglichen Wiederholung nach vier Wochen oder eine Behandlung mit Milbemycinoxim in einer Dosis von 0,5 mg/kg KG einmal wöchentlich über vier Wochen. Diese Präparate sind auch zur Prophylaxe in endemischen Gebieten zugelassen. Wurde der Lungenwurmbefall rechtzeitig diagnostiziert, ist die Prognose in der Regel sehr gut. Treten hochgradige klinische Symptome bzw. Superinfektionen auf, können Antibiotika und Glukokortikoiden die Behandlung unterstützen. Die Diagnose und Behandlung von Lungenwurminfektionen sind in der Kleintierpraxis mit wenig Aufwand verbunden und können dabei effizient weitreichende pathologische Folgen für Hund und Katze verhindern.

Quellen:

https://www.esccap.org/uploads/docs/pa077iig_ESCCAP_2012_Factsheet_Angiostrongylus_d_def_310812.pdf

http://www.esccap.ch/2-uploads/praxis/ESCCAP%20CH_GL%20Endo%20rev_d_def_200415.pdf

https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/35881/2/KleintierKonkret_Schnyder_Berlin_01_07_2010.pdf

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0304401719300068?via%3Dihub

https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/93531/1/ZORA_NL_93531.pdf

https://www.esccap.ch/demo/wp-content/uploads/2019/01/ESCCAP-CH_HenrySchein_ToT_MS_Lungenwuermer-bei-Hund-und-Katze_PF_031117.pdf

Weiter zum Artikel Valentinstag: Jeder Fünfte zieht Haustier dem Partner vor

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.