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Kaninchenernährung? Gewusst wie!

Kaninchenernährung Blogartikel Covetrus

Besonderheiten des Verdauungstraktes von Kaninchen und deren Bedeutung für eine tier- und verhaltensgerechte Ernährung

Entsprechend seines ursprünglichen Lebensraumes, den sandigen Gräser- und Kräutersteppen Südwest-Europas, ist das Kaninchen spezialisiert auf die Aufnahme und Verdauung großer Mengen karger, pflanzlicher Kost. Ein ausgewogenes Futter-Management, das die physiologischen Besonderheiten des Kaninchens berücksichtigt, ist daher für die Gesunderhaltung unserer Kaninchen in der Heimtierhaltung und somit für ein unbeschwertes, langes Kaninchenleben entscheidend.

Bei genauerer Betrachtung des Kaninchens entdecken wir insbesondere im Verdauungssystem Anpassungen, die das Kaninchen zu einem echten Ernährungsspezialisten machen:

  • Die Schneide- und Backenzähne wachsen lebenslang um ca. 0,8 cm pro Monat. Dieses Zahnwachstum ist eine Anpassung an die Notwendigkeit, große Mengen stark strukturierter, rohfaserreicher und relativ energiearmer Kost zu verarbeiten. Die Zähne reiben sich beim Abbeißen sowie Zermahlen der Nahrung aneinander ab. Für den zuverlässigen Zahnabrieb des Kaninchens ist neben der Aufnahme eines strukturierten Futters, der Zeitraum für die Futteraufnahme entscheidend. Grob strukturiertes Heu und energiearme, im Durchmesser ca. 1 cm große Presslinge mit grober Faserstruktur sind als Fütterung ideal, da das Kaninchen sich diese Futtermittel durch „Benagen“ und langes Kauen erarbeiten muss. Die Futteraufnahmedauer wird entsprechend dem natürlichen Verhalten deutlich erhöht.
  • Kaninchen haben eine nur dünn bemuskelte Magenwand. Die reduzierte Muskulatur ist eine ökonomische Anpassung an die häufige Nahrungsaufnahme und somit typisch für ein Tier, das sich auf energiearme Nahrungsressourcen spezialisiert hat. Man nennt den Magen des Kaninchens auch „Stopfmagen“, da der Futterbrei nur durch die kontinuierliche, weitere Futteraufnahme in die hinteren Darmabschnitte transportiert und verdaut werden kann. Das Kaninchen sollte daher stets Futter zur freien Verfügung haben. Neben dem Angebot von Heu, ist die sichere Versorgung mit Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien über die Fütterung eines rohfaserreichen, energiearmen Trockenfutters gewährleistet. Einen Hinweis auf den Energiegehalt eines Futtermittels erhält man über den Stärkegehalt (auf der Verpackung unter den analytischen Bestandteilen aufgeführt) oder über die Art der Zusammensetzung eines Futtermittels (sehr stärkehaltig sind z.B. ganze Getreidekörner, Kartoffeln, Erbsen, Bohnen, Johannisbrot etc. und sollten daher gemieden werden). Als Faustregel gilt: Liegt der Stärkegehalt des Futters unter 10% und beträgt das Verhältnis Rohfaser zu Stärke mindestens 3 : 1, entspricht der Energiegehalt etwa dem Erhaltungsbedarf eines Zwergkaninchens in der Heimtierhaltung und das Futter kann zur freien Verfügung angeboten werden.
  • Der Blinddarm von Kaninchen ist als große Gärkammer ausgebildet. Mit dieser Anpassung gelingt es dem Kaninchen, Rohfaserbestandteile, die sonst unverdaulich wären, dem Organismus verfügbar zu machen. Weniger gut verdauliche Rohfaseranteile werden schnell ausgeschieden, feine, leichter verdauliche Nahrungspartikel gelangen in den Blinddarm und werden durch spezielle Bakterien in Proteine, Vitamin B und Vitamin K umgewandelt. Es entsteht der sogenannte Blinddarmkot (Caecotrophe), deren Nährstoffe durch eine erneute Aufnahme vom Kaninchen genutzt werden.

Bedürfnisse der Kaninchen

Um den spezifischen Bedürfnissen des Kaninchens gerecht zu werden bedarf es eines gewissen Augenmaßes besonders hinsichtlich der Energieversorgung: Eine energiereduzierte, rohfasereiche Kost mit allen notwendigen Vitaminen und Spurenelementen sowie ein qualitativ hochwertiges Heu – beides zur freien Verfügung – entspricht den natürlichen, physiologischen Anpassungen des Kaninchens an seinen ursprünglichen Lebensraum und ist ein wichtiger Beitrag zur Gesunderhaltung der Tiere. Die tägliche Gabe von Frischfutter (z.B. Blattsalate, Chicorée, Fenchel, Gurken, Karotten) rundet die Ration ab. Damit sich die empfindliche Darmflora anpassen kann, sollte die Frischfuttermenge langsam gesteigert werden.

Besonderheiten der Kaninchenernährung: Zusammenfassung

Aus der speziellen Ernährungsphysiologie ergeben sich folgende Punkte, die bei der Ernährung von Kaninchen zu beachten sind:

  1. Eine Vielzahl an Gräsern und Kräutern entspricht dem natürlichen Nahrungsspektrum von Kaninchen.
  2. Die Aufnahme strukturierter Faser (Heu, Alleinfuttermittel mit grober Faserstruktur) verlängert die Futteraufnahmedauer → Förderung der Zahn- sowie Darmgesundheit.
  3. Eine lange Beschäftigung mit der Futteraufnahme beugt Verhaltensstörungen vor.
  4. Ein rohfaserreiches, energiearmes Trockenfutter kann zur freien Verfügung angeboten werden und ermöglicht die Aufnahme kleiner Futterportionen → gleichmäßiger Nachschub des Nahrungsbreis gewährleistet den Weitertransport in die hinteren Darmabschnitte.
  5. Bei pelletierten Futtermitteln ist in jedem Pellet der gleiche Nährstoffgehalt enthalten → keine Fehlernährung durch Auswahl schmackhafter Bestandteile bei Angebot von „Müslis“.
  6. Hochwertige Rohfaser ist als Substrat für die speziellen Bakterien im Blinddarm wichtig.
  7. Der Stärkegehalt in der Ration sollte begrenzt sein → optimales Rohfaser-Stärke-Verhältnis von mindestens 3 : 1.
  8. Die Caecotrophie ist eine Anpassung des Kaninchens an karge Lebensräume und versorgt sie zusätzlich mit Proteinen, Vitamin B und Vitamin K.
  9. Frischfutter rundet die Ration ab und kann nach schrittweiser Gewöhnung täglich gefüttert werden.
  10. Snacks sollten nur begrenzt angeboten werden und dienen insbesondere der Förderung einer Bindung zum Halter. Snacks sind keine Ernährung im eigentlichen Sinn.
  11. Frisches Trinkwasser sollte stets zur Verfügung stehen.

Quelle: Dr. Birgit Zumbrock, Bunny Tierernährung GmbH (Melle).

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