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Kaninchenernährung? Gewusst wie!

Kaninchenernährung Blogartikel Covetrus

Besonderheiten des Verdauungstraktes von Kaninchen und deren Bedeutung für eine tier- und verhaltensgerechte Ernährung

Entsprechend seines ursprünglichen Lebensraumes, den sandigen Gräser- und Kräutersteppen Südwest-Europas, ist das Kaninchen spezialisiert auf die Aufnahme und Verdauung großer Mengen karger, pflanzlicher Kost. Ein ausgewogenes Futter-Management, das die physiologischen Besonderheiten des Kaninchens berücksichtigt, ist daher für die Gesunderhaltung unserer Kaninchen in der Heimtierhaltung und somit für ein unbeschwertes, langes Kaninchenleben entscheidend.

Bei genauerer Betrachtung des Kaninchens entdecken wir insbesondere im Verdauungssystem Anpassungen, die das Kaninchen zu einem echten Ernährungsspezialisten machen:

  • Die Schneide- und Backenzähne wachsen lebenslang um ca. 0,8 cm pro Monat. Dieses Zahnwachstum ist eine Anpassung an die Notwendigkeit, große Mengen stark strukturierter, rohfaserreicher und relativ energiearmer Kost zu verarbeiten. Die Zähne reiben sich beim Abbeißen sowie Zermahlen der Nahrung aneinander ab. Für den zuverlässigen Zahnabrieb des Kaninchens ist neben der Aufnahme eines strukturierten Futters, der Zeitraum für die Futteraufnahme entscheidend. Grob strukturiertes Heu und energiearme, im Durchmesser ca. 1 cm große Presslinge mit grober Faserstruktur sind als Fütterung ideal, da das Kaninchen sich diese Futtermittel durch „Benagen“ und langes Kauen erarbeiten muss. Die Futteraufnahmedauer wird entsprechend dem natürlichen Verhalten deutlich erhöht.
  • Kaninchen haben eine nur dünn bemuskelte Magenwand. Die reduzierte Muskulatur ist eine ökonomische Anpassung an die häufige Nahrungsaufnahme und somit typisch für ein Tier, das sich auf energiearme Nahrungsressourcen spezialisiert hat. Man nennt den Magen des Kaninchens auch „Stopfmagen“, da der Futterbrei nur durch die kontinuierliche, weitere Futteraufnahme in die hinteren Darmabschnitte transportiert und verdaut werden kann. Das Kaninchen sollte daher stets Futter zur freien Verfügung haben. Neben dem Angebot von Heu, ist die sichere Versorgung mit Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien über die Fütterung eines rohfaserreichen, energiearmen Trockenfutters gewährleistet. Einen Hinweis auf den Energiegehalt eines Futtermittels erhält man über den Stärkegehalt (auf der Verpackung unter den analytischen Bestandteilen aufgeführt) oder über die Art der Zusammensetzung eines Futtermittels (sehr stärkehaltig sind z.B. ganze Getreidekörner, Kartoffeln, Erbsen, Bohnen, Johannisbrot etc. und sollten daher gemieden werden). Als Faustregel gilt: Liegt der Stärkegehalt des Futters unter 10% und beträgt das Verhältnis Rohfaser zu Stärke mindestens 3 : 1, entspricht der Energiegehalt etwa dem Erhaltungsbedarf eines Zwergkaninchens in der Heimtierhaltung und das Futter kann zur freien Verfügung angeboten werden.
  • Der Blinddarm von Kaninchen ist als große Gärkammer ausgebildet. Mit dieser Anpassung gelingt es dem Kaninchen, Rohfaserbestandteile, die sonst unverdaulich wären, dem Organismus verfügbar zu machen. Weniger gut verdauliche Rohfaseranteile werden schnell ausgeschieden, feine, leichter verdauliche Nahrungspartikel gelangen in den Blinddarm und werden durch spezielle Bakterien in Proteine, Vitamin B und Vitamin K umgewandelt. Es entsteht der sogenannte Blinddarmkot (Caecotrophe), deren Nährstoffe durch eine erneute Aufnahme vom Kaninchen genutzt werden.

Bedürfnisse der Kaninchen

Um den spezifischen Bedürfnissen des Kaninchens gerecht zu werden bedarf es eines gewissen Augenmaßes besonders hinsichtlich der Energieversorgung: Eine energiereduzierte, rohfasereiche Kost mit allen notwendigen Vitaminen und Spurenelementen sowie ein qualitativ hochwertiges Heu – beides zur freien Verfügung – entspricht den natürlichen, physiologischen Anpassungen des Kaninchens an seinen ursprünglichen Lebensraum und ist ein wichtiger Beitrag zur Gesunderhaltung der Tiere. Die tägliche Gabe von Frischfutter (z.B. Blattsalate, Chicorée, Fenchel, Gurken, Karotten) rundet die Ration ab. Damit sich die empfindliche Darmflora anpassen kann, sollte die Frischfuttermenge langsam gesteigert werden.

Besonderheiten der Kaninchenernährung: Zusammenfassung

Aus der speziellen Ernährungsphysiologie ergeben sich folgende Punkte, die bei der Ernährung von Kaninchen zu beachten sind:

  1. Eine Vielzahl an Gräsern und Kräutern entspricht dem natürlichen Nahrungsspektrum von Kaninchen.
  2. Die Aufnahme strukturierter Faser (Heu, Alleinfuttermittel mit grober Faserstruktur) verlängert die Futteraufnahmedauer → Förderung der Zahn- sowie Darmgesundheit.
  3. Eine lange Beschäftigung mit der Futteraufnahme beugt Verhaltensstörungen vor.
  4. Ein rohfaserreiches, energiearmes Trockenfutter kann zur freien Verfügung angeboten werden und ermöglicht die Aufnahme kleiner Futterportionen → gleichmäßiger Nachschub des Nahrungsbreis gewährleistet den Weitertransport in die hinteren Darmabschnitte.
  5. Bei pelletierten Futtermitteln ist in jedem Pellet der gleiche Nährstoffgehalt enthalten → keine Fehlernährung durch Auswahl schmackhafter Bestandteile bei Angebot von „Müslis“.
  6. Hochwertige Rohfaser ist als Substrat für die speziellen Bakterien im Blinddarm wichtig.
  7. Der Stärkegehalt in der Ration sollte begrenzt sein → optimales Rohfaser-Stärke-Verhältnis von mindestens 3 : 1.
  8. Die Caecotrophie ist eine Anpassung des Kaninchens an karge Lebensräume und versorgt sie zusätzlich mit Proteinen, Vitamin B und Vitamin K.
  9. Frischfutter rundet die Ration ab und kann nach schrittweiser Gewöhnung täglich gefüttert werden.
  10. Snacks sollten nur begrenzt angeboten werden und dienen insbesondere der Förderung einer Bindung zum Halter. Snacks sind keine Ernährung im eigentlichen Sinn.
  11. Frisches Trinkwasser sollte stets zur Verfügung stehen.

Quelle: Dr. Birgit Zumbrock, Bunny Tierernährung GmbH (Melle).

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Ferkelkastration: Die Narkose bei männlichen Saugferkeln durch den Landwirt

Ferkel im Strohstall. Thema: Ferkelkastration, die Narkose bei männlichen Saugferkeln durch den Landwirt

Kastrationsnarkose bei männlichen Saugferkeln: Fristverlängerung bis 2021

Die Kastration männlicher Ferkel zählt bereits seit Langem zu den Streitpunkten zwischen Tierschützern und Landwirten. Züchter verweisen in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit der Kastration, da das Fleisch der Tiere sonst aufgrund der Produktion männlicher Hormone einen strengen Geruch annehmen würde. Außerdem lässt sich auf diese Weise das aggressive Verhalten, das unkastrierte Eber an den Tag legen, eindämmen. Vollkommen schmerzfreie Verfahren der Ferkelkastration, die von Tierschutzorganisationen eingefordert und von Tierärzten befürwortet werden, verursachen jedoch deutlich höhere Kosten, die sich viele Betriebe nicht leisten können.

Bislang ist eine betäubungsfreie Ferkelkastration bis zum siebten Lebenstag möglich. Um dies zu ändern, nahm der Gesetzgeber eine Anpassung des Tierschutzgesetzes vor, die ursprünglich Anfang 2019 in Kraft treten und eine Kastration unter Schmerzen verbieten sollte. Nun wurde die Übergangsfrist allerdings erneut verlängert, nachdem sich bereits im Sommer des Vorjahres keine fristgerechte Umsetzung abzeichnete.

Für das Tierwohl: Änderung des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013

Nach langen Protesten der Tierschutzorganisationen bezüglich der unter Schmerzen stattfindenden Kastration von Ferkeln reagierte 2013 auch der Gesetzgeber, der eine Änderung des Tierschutzgesetzes, kurz TierSchG, beschloss. Diese beinhaltete unter anderem die Verpflichtung zu einer vollkommen schmerzfreien Kastration von Ferkeln.

Zugleich wurde § 5 Abs. 1 TierSchG angepasst, wonach auch Personen, die einen entsprechenden Sachkundenachweis vorweisen können, eine Narkose bei Ferkeln vornehmen dürfen. Zuvor stand diese Betäubung unter dem Tierärztevorbehalt. Die Voraussetzungen zum Erwerb des Nachweises sind jedoch durch eine Verordnung des Landwirtschaftsministeriums genau reglementiert. Die Durchsetzung beider Anpassungen wurde zudem auf den 1. Januar 2019 verschoben, um den Züchtern eine angemessene Zeit zur Erforschung schmerzloser Kastrationsmethoden zu gewähren.

Die vier diskutierten Wege zu einer schmerzfreien Ferkelkastration

Nicht nur unter Landwirten und Tierschützern entbrannte im Anschluss an die Gesetzesänderung eine lebhafte Diskussion über den idealen Weg zur schmerzlosen Kastration männlicher Saugferkel. Im Wesentlichen wurden dabei vier verschiedene Lösungsansätze herausgearbeitet, die Ihnen nachfolgend kurz erläutert werden sollen:


Lokalanästhesie

Ein vorwiegend von Züchtern favorisierter Ansatz ist die Lokalanästhesie. Problematisch dürfte allerdings sein, dass diese Variante nicht mit dem Wortlaut des Tierschutzgesetzes vereinbar ist, da eine vollkommen schmerzlose Behandlung nicht garantiert werden kann.

Immunokastration

Ein in einigen Ländern bereits etablierter Ansatz ist die Unterdrückung der Hormonproduktion durch impfstoffähnliche Injektionen. Auf diese Weise kann die Entfernung der Hoden unterbleiben, ohne dass der als unangenehm empfundene Ebergeruch auf das Fleisch abfärbt.

Ebermast

Gänzlich ohne hormonelle oder chirurgische Eingriffe kommt die Ebermast aus. Allerdings sehen Landwirte ihre Absatzchancen bei dieser Variante in Gefahr, da das Fleisch eine unappetitliche Geruchskomponente annimmt.

Chirurgische Entfernung und Vollnarkose

Zuletzt besteht der Ansatz der Hodenentfernung unter Vollnarkose. Als bewährtes Narkosemittel hat sich hierbei das Gas Isofluran durchgesetzt. Mithilfe der Auflockerung des Tierärztevorbehaltes könnten die Züchter selbst den erforderlichen Sachkundenachweis führen.

Verlängerung der Übergangsfrist bis 2021 und Verordnung zum Sachkundenachweis

Bereits im September 2018 ließ das Bundeslandwirtschaftsministerium öffentlich durchklingen, dass eine Einhaltung der ursprünglichen Frist wohl zu gravierenden Auswirkungen bei zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben führen würde. Die Befürchtung, dass viele Züchter die neuen Anforderungen an die Ferkelkastration nicht einhalten könnten, war zu groß, sodass man sich entschied, die Frist um weitere zwei Jahre zu verlängern. Somit greift die bereits 2013 verabschiedete Änderung erst ab dem 1. Januar 2021.

Die durch das Landeswirtschaftsministerium erlassene Verordnung über den zu erbringenden Sachkundenachweis bedarf noch der Zustimmung der Legislativorgane. Gelingt dieser Schritt, können auch Landwirte den Nachweis, der aktuell noch Ihnen als Tierarzt vorbehalten ist, führen. Dies sorgt nicht nur unter Tierschützern, sondern auch Veterinärmedizinern für große Entrüstung, da mögliche Komplikationen während der Narkose nur auf Basis einer umfassenden tierärztlichen Ausbildung erkannt und behandelt werden können.

Zahnmedizin für Haustiere ist mehr als Routine

In vielen Tierarztpraxen und -kliniken wird die Zahnpflege als Routineangebot betrachtet oder sogar vernachlässigt. Die Tiergebisse werden möglicherweise gereinigt oder bei Problemen Zähne gezogen. Doch für bedürftige Tiere gibt es genau wie in der humanen Zahnmedizin neue Ansätze in der spezialisierten Behandlung. Einige Tierärzte und -ärztinnen haben das bereits erkannt und Wege gefunden, sich in fortgeschrittener Pflege und Zahntechnik ausbilden zu lassen, ähnlich wie das, was für die Bedürfnisse der menschlichen Zähne verfügbar ist. Die Ausbildung reicht von der Behandlung verschiedener Parodontalerkrankungen über die Endodontie bis hin zur Radiologie.

Parodontalerkrankungen sind die häufigsten klinischen Zahnbeschwerden, die bei der Untersuchung von Haustieren wie Katzen und Hunden auftreten. Tierärzte können in diesem Bereich zu Spezialisten ausgebildet werden, um die Untersuchung der Maulhöhle, Zahnreinigung, Zahnsteinentfernung und Politur, zahnärztliche Röntgenaufnahmen, das Begutachten der Aufnahmen mit anschließender Diagnose und sogar Zahnfleischchirurgie durchzuführen. Es gibt die Möglichkeit der Parodontaloperationen, einschließlich des Knochenregenerationsverfahrens.

Im Bereich der Endodontie können Behandlungstherapien angeboten werden, die den Zahn einschließlich der Pulpa des Zahnes, seiner Nerven und Blutgefäße betreffen. In der Orthodontie können auch bei Haustieren Zahn- und Skelettfehlstellungen korrigiert werden. Durch den Einsatz von Chirurgie- und Kieferorthopädiegeräten werden Tierärzte zu Spezialisten weitergebildet, damit sie u.a. die Ursachen von Zahnfehlstellungen feststellen, die Wiederherstellung der Gesichtssymmetrie oder eine Korrektur von Zahnfehlbildungen vornehmen können.

Ein Einsatz von Prothetik kann dem kranken Tier helfen, beschädigte Zähne zu stärken, Zähne zu erhalten, die eine Fraktur aufweisen, mögliche Schmerzen minimieren, die durch beschädigte Zähne mit freiliegenden Nerven und Pulpa verursacht werden. Die Funktion fehlender Zähne kann durch den Einsatz von Implantaten wiederhergestellt werden.

Die Schulung im Bereich der Radiologie vermittelt dem Spezialisten das Verständnis für die Entwicklung und Anwendung von Röntgenuntersuchungen und Zahnkarten. Dieses Fachgebiet ist besonders wichtig für die Maul-, Kiefer- und Gesichtschirurgie beim Haustier mit ernsten Bedürfnissen durch einen Gaumenfehler, Zahnverlust, Maultumoren oder Kieferfrakturen und Kieferaufbau.

Die Zahnmedizin für Haustiere ist ein so umfangreiches Feld wie die Zahnheilkunde für den Menschen. Sie spielt eine große Rolle für den Gesamtgesundheitszustand und das Wohlbefinden eines Tieres und sollte auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Quelle:

https://northamerica.covetrus.com/home/dentistry/2017/02/15/specialized-dentistry-for-pets

Hunde- und Katzenhaltung im Sommer

Der Sommer ist für die meisten von uns die liebste Jahreszeit. Man genießt das warme Wetter, die Urlaubszeit, macht Ausflüge und geht schwimmen. Eben deshalb ist aber der Sommer für den menschlichen und tierischen Organismus sehr anstrengend, da dieser größeren Anforderungen ausgesetzt wird als in den anderen Jahreszeiten. Wir haben Frau Doktor Markéta Švarcová gefragt, wie wir richtig für unsere Hunde und Katzen sorgen können.

Einen schönen Tag, Frau Doktor. Auf was sollten wir als Tierhalter im Sommer am meisten achtgeben?

Guten Tag auch Ihnen und Ihren Leserinnen und Lesern. Das ist ein umfangreiches Thema. Alles ist vor allem mit den im Sommer herrschenden hohen Temperaturen verbunden. Problematisch wird eigentlich jeder Bereich der Katzen- bzw. Hundehaltung. Anfangen kann man bei der Nahrung und der täglichen Trinkmenge, weiter geht es mit Parasiten bis hin zu Hautbeschwerden.

Gut, gehen wir es der Reihe nach an. Der Frühling hat schon angefangen. Können wir irgendwelche Verhaltensänderungen unserer Tiere in den folgenden Monaten erwarten?

Ja, bestimmt. Vor allem ist die Rolligkeit bei Katzen im Zeitraum ab dem Frühling bis zum Herbst am intensivsten. Es handelt sich um die sog. Photoperiode, also die Reaktion auf die Dauer des Tageslichts. Während der Rolligkeit von im Freien lebenden Katzen ähneln ihre Laute einem weinenden Kind. Für eine Katze, insbesondere eine Hauskatze, ist dies sehr erschöpfend. Und nicht nur für sie, oft auch für die Besitzer. Die im Freien lebenden haben die Tendenz viel herumzustreunen, womit sich das Unfallrisiko (von einem Auto überfahren zu werden) oder das Risiko der Ansteckung mit einer Krankheit erhöht. Es ist wichtig sich ebenfalls bewusst zu werden, dass sich die Rolligkeit ununterbrochen und viele Wochen immer wieder wiederholt.
Ich empfehle allen meinen Klientinnen und Klienten, dass Sie sich aus den oben angeführten Gründen eine Kastration überlegen sollten, sofern Sie keinen Tiernachwuchs planen. In Zukunft beugen sie so auch vielen anderen Unannehmlichkeiten vor.

Weiter erwähnten Sie Hautbeschwerden. Diese kommen in der Sommerzeit sehr häufig vor, nicht wahr?

Stimmt. Gründe gibt es gleich mehrere. Das sehr warme Wetter kann Intertrigo, sog. Hotspots, zur Folge haben. An Stellen mit kleinen Verletzungen, in Hautfalten oder an Hängeohren kommt es zu nässenden Entzündungen. Es handelt sich um Beschwerden, die sehr schnell entstehen und starken Juckreiz verursachen. Häufig tritt dies zum Beispiel nach dem Baden auf. Dieses Problem betrifft vor allem haarige Rassen. Sie erkennen es daran, dass sich das Tier an dieser Stelle häufig kratzt, das Fell ist um die Stelle herum wie mit Honig verklebt, die Haut darunter ist gerötet, verdickt, entzündet und riecht intensiv. In Anbetracht dessen, dass der Entzündungsherd sehr schnell größer wird, empfehle ich eine schnelle erste Hilfe beim Tierarzt. Er rasiert das Fell an der betroffenen Stelle ab und desinfiziert diese. Abhängig vom Umfang der Entzündung empfiehlt er dann eine entsprechende Pflege.

Weitere Hautbeschwerden sind Verbrennungen an den Pfoten. Vermeiden Sie bei hohen Temperaturen das Laufen auf Beton und Asphalt, ebenfalls Vorsicht auf Blech. Hier ist die 5-Sekunden-Regel ideal. Legen Sie Ihre Handfläche auf den Boden des Wegs. Können Sie Ihre Hand für diese 5 Sekunden problemlos auf dem Boden halten, ist er auch für Hundepfoten geeignet.

Achten Sie bei Rassen ohne Fell während des Aufenthalts im Freien auf eine ausreichende Behandlung mit Sonnenschutzmitteln, die einen hohen Lichtschutzfaktor haben.

Wenn wir schon bei großer Hitze angekommen sind. Auf was sollen wir besonders achten?

An erster Stelle muss man sich bewusst sein, dass Hunde und Katzen viel anfälliger für eine Überhitzung sind, da sie nur begrenzt schwitzen können. Wahrscheinlich wird das sehr selbstverständlich klingen, aber in der Praxis erlebe ich leider das Gegenteil, deshalb werde ich diese Grundsätze zur Vermeidung möglicher Beschwerden lieber aufzählen:

  1. Ausreichend sauberes Wasser den ganzen Tag lang. Nehmen Sie auf Ausflüge nicht nur Wasser für sich mit – Vorsicht bei Wasser aus Pfützen, Teichen und ähnlichem.
  2. Hygiene und Aufbewahrung von Nahrungsmitteln. Das Futter sollte immer frisch sein und im Kühlen gelagert werden. Waschen Sie regelmäßig die Näpfe aus. Vorsicht auch mit Obst, insbesondere bei Steinfrüchten (z. B. können Pfirsichkerne im Verdauungstrakt hängen bleiben). Tückisch kann auch eine Vergiftung durch Pflanzen wie Maiglöckchen, Oleander oder Lilien sein. Katzen spielen gern mit diesen.
  3. Gehen Sie an warmen Tagen lieber am Morgen und am Abend mit Ihrem Hund raus. Schränken Sie während des Tages die Aktivitäten ein.
  4. Im Freien lebende Hunde müssen während des Tages die Möglichkeit haben, sich im Schatten aufzuhalten.
  5. Lassen Sie den Hund niemals im Auto zurück. Sein Organismus kann sehr schnell überhitzen und er kann einen Hitzeschlag bekommen, woran er in der Folge auch sterben kann.
  6. Eine geeignete Vorbeugung ist das Scheren des langen Fells.

Am meisten gefährdet sind Rassen mit einer kurzen Nase (sog. kurzköpfige Rassen), fettleibige, herzkranke oder allgemein kranke Tiere.

Frau Doktor, was ist eigentlich der genaue Unterschied zwischen einem Hitzeschlag und einem Sonnenstich?

Ein Sonnenstich entsteht aufgrund der direkten Sonneneinstrahlung, es kommt zur Überhitzung und folglich Anschwellung des Gehirns. Der Hitzeschlag ist eine Gesamtüberhitzung des Organismus und Dehydration. Die Symptome sind in beiden Fällen ähnlich und gefährden das Leben des Tieres.

Wie erkennt man diesen Zustand und was müssen wir tun?

Das Tier zeigt keinerlei Interesse an Aktivitäten, es hat eine erhöhte Temperatur, einen abwesenden Blick, es ist schwach, desorientiert, es hat eine erhöhte Atem- und Herzfrequenz, einen unsicheren Gang bis hin zu Krämpfen, es übergibt sich und ist nervös. Es müssen sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden, und zwar in Form einer schrittweisen Abkühlung – vor allem der Pfoten und des Kopfes. Wickeln Sie das Tier in ein nasses Handtuch ein, legen Sie es an eine kühle Stelle, idealerweise auf Fliesenboden. Geben Sie ihm zu trinken und lassen Sie es nicht unbeaufsichtigt. Suchen Sie danach unverzüglich tierärztliche Hilfe auf.

Also ist es am besten, den Hund während der warmen Tage regelmäßig abzukühlen und ihm eine Möglichkeit zum Baden zu geben?

Das hängt von Ihrem Hund ab. Sofern er ein Schwimmer ist und Wasser liebt, wird er es sicher mögen. Anderenfalls geht es ihm zu Hause in einem belüfteten Raum oder im Schatten mit ausreichend Wasser besser. Sie können ihm auch Kopf und Rücken mit lauwarmem Wasser übergießen. Gehen Sie nur zu kurzen Spaziergängen mit ihm raus, die ihn nicht erschöpfen.

Zwingen Sie Ihren Hund niemals zum Baden und werfen Sie ihn nicht ins Wasser, er könnte Angst vor Wasser bekommen. Suchen Sie eine flache Stelle mit flachem Ufer. Ins Wasser muss er immer von selbst gehen.

Beachten Sie außerdem eine wichtige Regel: Um einer Entzündung vorzubeugen, wischen Sie dem Hund nach dem Baden gründlich die Ohren aus.

Ist das alles oder haben wir noch etwas Wichtiges vergessen?

Ich denke, es gibt da noch viel mehr. Bezüglich des Aufenthalts in der Natur würde ich gern noch die Problematik der Grassamen oder Grannen erwähnen. Die Gefahr besteht in der pfeilartigen Form dieser, dank welcher sie tief in das Gewebe eindringen und dort Reizungen und Entzündungen verursachen. Am häufigsten sind die Zehenzwischenräume an den Pfoten, lange Ohren, Augen und Haut, aber auch die Augenbindehaut und die Atemwege betroffen. In diesem Fall ist Vorbeugung sehr wichtig. Beschränken Sie lieber den Aufenthalt des Hundes im hohen Gras und untersuchen sie ihn nach dem Spaziergang gründlich. Bei haarigeren Rassen appelliere ich wieder an die Pflege und das Schneiden des Fells. Wenn Sie nach der Rückkehr vom Spaziergang feststellen, dass sich der Hund in die Pfoten beißt und diese leckt, aus der Nase schnaubt, hustet oder ihm die Nase blutet, suchen Sie lieber einen Tierarzt auf.

Das Fell sollte man nach einem Spaziergang auch auf Zecken untersuchen, nicht wahr?

Parasiten sind ein ganzjähriges Problem, das sich natürlich im Frühling und Sommer noch verschärft. Es kommen Zecken, Mücken, Kriebelmücken und andere blutsaugende Insekten hinzu. Sie verursachen lokale Reaktionen und übertragen verschiedene Krankheiten. Hunde und Katzen jagen gern Bienen und Wespen. Kommt es zum Stich, ist es notwendig, den Stachel herauszuziehen und die betroffene Stelle zu kühlen. Wenn Ihnen irgendetwas seltsam vorkommt, suchen Sie wieder den Arzt auf. Das Tier kann, so wie der Mensch, allergisch auf einen Stich reagieren. Insgesamt ist das Parasitenproblem sehr umfangreich und wichtig ist dabei die Vorbeugung, also eine Behandlung mit sog. Antiparasitika.

Quelle:
https://www.mojecalibra.cz/aktuality-firmy/pece-psa-kocku-lete/