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Stoffwechselstatus und Eutergesundheit bei der Milchkuh – gibt es einen Zusammenhang?

Kuh auf der Wiese. Ein Blogartikel von Covetrus zum Thema Innovative Produkte für die Eutergesundheit bei Milchkühen.

Dr. med. vet. Evelyne C. Kessler

Ca. 20-30 % aller Kühe erkranken während der Laktation an einer Mastitis (Gordon et al., 2013), was weitreichende gesundheitliche und ökonomische Folgen für Kuh und Landwirt haben kann. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass Mastitis die bedeutendste Abgangsursache bei Milchkühen ist (Rollin et al., 2015). Eine Mastitis äussert sich unter anderem durch eine Erhöhung des Zellzahlgehaltes in der Milch. Ursächlich dafür sind häufig Pathogene wie Bakterien oder Hefen, welche die Barrieren des Immunsystems überwunden haben.

Das Euter verfügt über verschiedene Abwehrmechanismen, welche in zwei Kategorien aufgeteilt werden: die angeborene Immunität und die erworbene (= adaptive) Immunität. Die angeborene (= unspezifische) Immunität wird durch physikalische Barrieren der Zitze (Schliessmuskeln an der Zitzenspitze und Verschluss des Zitzenkanals durch den Keratinpropf) sowie Makrophagen, Neutrophile Granulozyten, natürliche Killerzellen und Zytokine gebildet (Sordillo, 2005). Bei intramammären Infektionen werden diese Zellen vermehrt aus dem Blut rekrutiert
(= Chemotaxis), um Pathogene (z.B. Bakterien) zu neutralisieren und zu eliminieren (Moyes, 2015). Die Effizienz der Neutrophilen bei der Eliminierung von eindringenden Pathogenen ist ausschlaggebend für den weiteren Verlauf der Eutererkrankung (Burvenich et al., 1994). Komponenten des erworbenen Immunsystems (Makrophagen, Antikörper und verschiedene lymphoide Zellen) erkennen „spezielle“ Merkmale von Pathogenen, was eine gezielte Elimination ermöglicht (Sordillo, 2005). Ein koordiniertes Zusammenspiel des angeborenen und des erworbenen Immunsystems ist entscheidend, um einen optimalen Schutz des Euters vor Infektionen zu gewährleisten.

Kritische Phasen im Laktationsverlauf mit erhöhter Mastitisanfälligkeit

Im Laktationsverlauf von Milchkühen gibt es mehrere Phasen, in denen die Tiere anfälliger für Euterentzündungen sind. Kurz vor dem Trockenstellen wird den Kühen häufig Kraftfutter entzogen und eine energieärmere Ration gefüttert, um die Milchleistung zu reduzieren und das Trockenstellen zu erleichtern. Allerdings zeigen neuere Untersuchungen, dass durch diese Nährstoffreduktion vorübergehend sogar ein Energie- und Nährstoffmangel auftreten kann, der eine erhöhte Stoffwechselbelastung mit negativen Auswirkungen auf das Immunsystem nach sich zieht (Ollier et al., 2015; La- casse et al., 2018). Gleichzeitig dauert es nach dem Trockenstellen noch einige Tage, bis die Milchsekretion eingestellt und die im Euter noch vorhandene Restmilch/Residualmilch resorbiert wird. Durch den Wegfall des täglichen Melkens werden potentielle Mastitiserreger in erster Instanz nicht mehr ausgespült, sondern können nach Überwindung der physischen Barrieren im Euter verbleiben und finden ideale Bedingungen vor. Durch den fütterungsbedingten Energiemangel wird gleichzeitig die Immunkompetenz der Milchkuh reduziert, und damit das Wachstum möglicher Pathogene im Euter gefördert.

In der Folge ist eine erhöhte Inzidenz von Mastitiserkrankungen um den Zeitpunkt des Trockenstellens zu beobachten. Die Reduzierung des generellen Einsatzes von antibiotischen Trockenstellern macht es daher unabdingbar, dass nur eutergesunde Kühe trockengestellt werden und das Trockenstellen unter optimalen energetischen, aber auch hygienischen Bedingungen durchgeführt wird. Latente, chronische und subklinische Mastitiden, die während der Laktation nicht vollständig ausgeheilt oder therapiert wurden, überdauern die Galtphase und können bereits kurz vor der Kalbung zu Euterentzündungen führen.

Die zweite kritische Phase ist der Zeitraum um die Abkalbung. Die Immunsuppression im peripartalen Zeitraum beginnt schon 2-3 Wochen vor der Abkalbung (Sordillo, 2005; Trevisi et al., 2012) und schwächt die Funktionalität der Neutrophilen. Die Anzahl an unreifen Neutrophilen im Blut steigt wobei die Menge an reifen Neutrophilen in der Zirkulation und im Euter stark reduziert ist (Kehrli et al., 1989). Des Weiteren sind wichtige Funktionen der neutrophilen Zellpopulationen wie Phagozytose (Fähigkeit von Zellen z.B. Bakterien aufzunehmen und abzubauen), Zellmigration und Chemotaxis verändert oder geschwächt (Kehrli et al., 1989). Da die Milchbildung bereits vor der Kalbung einsetzt, kann die Anfälligkeit für eine Mastitis bei Kühen, die vor der Geburt Milch laufen lassen, oder bei erhöhtem intramammären Druck (einsetzende Milch- und Oedembildung), welcher zu einer Dilatation des Zitztenkanals führt, erhöht sein (Nickerson, 1987; Oliver and Sordillo, 1988). Der Zellgehalt in der Milch ist in den ersten Tagen nach der Abkalbung natürlicherweise erhöht, ohne eine pathologische Ursache zu haben. Veränderungen im sekretorischen Eutergewebe während der vorangegangen Involution und der erneuten Lactogenese bedingen einen erhöhten Zellturnover, der sich auch im erhöhten Gehalt an somatischen Zellen in der Milch widerspiegelt.

In den ersten Laktationswochen ist das Risiko für Erkrankungen bei Milchkühen generell am höchsten. Bis zu 75 % der infektiösen Erkrankungen wie Mastitis, Gebärmutterentzündungen, usw. treten in dieser heiklen Laktationsphase auf (Ingvartsen and Moyes, 2013). Der Zusammenhang zwischen Mastitisanfälligkeit und Stoffwechselbelastung ist unumstritten. Gerade in der Frühlaktation weisen Milchkühe eine stark negative Energiebilanz auf, die von einer signifikanten Körperfettmobilisation begleitet wird (Gross et al., 2011). Die aus dem Fettgewebe freigesetzten Fettsäuren können nicht vollständig zur Energiegewinnung herangezogen werden. In der Folge kann sich eine Fettleber entwickeln. Zeitgleich werden überschüssige Fettsäuren zu Ketonkörpern (hauptsächlich β-Hydroxybutyrat) umgewandelt, die sich in subklinischen und klinischen Ketosen manifestieren.

Sowohl erhöhte Konzentrationen von freien Fettsäuren als auch Ketonkörpern in der Zirkulation wirken sich nachteilig auf die Funktion von Immunzellen aus (u.a. reduzierte Chemotaxis und Phagozytoseaktivität). Der Organismus der Kuh ist somit anfälliger gegenüber Infektionserkrankungen einschliesslich Mastitiden. Um ihre Funktion ausüben zu können, benötigen Immunzellen unbedingt Glucose.

Aufgrund des hohen Glucosebedarfs für die Milchbildung ist dieser Nährstoff nur sehr begrenzt verfügbar, was die Funktion des Immunsystems weiter einschränkt. Gleichzeitig hemmen hohe Konzentrationen von Ketonkörpern die Gluconeo- genese in der Leber. Um das Immunsystem gezielt zu fördern, sollten hohe Blutkonzentrationen von Ketonkörpern bei Milchkühen vermieden oder zumindest rechtzeitig erkannt und therapiert werden. Mit glucogenen Vorstufen wie Propionat kann zudem die Neubildung von Glucose als Nährstoff für das Immunsystem unterstützt werden. Eine verbesserte Stoffwechselsituation verhindert zwar nicht eine Mastitis, kann aber deren Verlauf positiv beeinflussen und ermöglicht zudem eine schnellere Erholung der Tiere.

Auch eine Überkonditionierung vor der Abkalbung ist zu vermeiden, da überkonditionierte Kühe nach der Abkalbung ein höheres Ketoserisiko haben. Kühe die an Ketose leiden, erkranken häufiger an Mastitis und weisen höhere Zellzahlgehalte in der Milch auf (Leslie et al., 2000). Das Auftreten des Fettmobilisationssyndroms begünstigt die Immunsuppression, provoziert stärkere Entzündungserscheinungen mit den negativen Auswirkungen der Entzündungsmediatoren auf den Stoffwechsel und ist für die reduzierte Endotoxinclearance und -neutralisation verantwortlich (Fürll et al., 2004). In der Phase der negativen Energiebilanz sind aufgrund des erhöhten Blutspiegels an Ketonkörpern die zirkulierende Menge an Neutrophilen (Cai et al., 1994), die Phagozytoseaktivität der Neutrophilen und der Makrophagen und die Abtötung von Bakterien reduziert. Die ketotische Stoffwechsellage führt zur verminderten Produktion von Zytokinen und chemotaktischen Substanzen durch die Lymphozyten. Die Migrationsfähigkeit und Chemotaxis der Leukozyten zum Euter hin ist herabgesetzt (Leslie et al., 2000; Suriya- sathaporn et al., 2000). Hohe Konzentrationen an freien Fettsäuren im Blut beeinflussen die Immunantwort direkt durch eine Verminderung der Synthesefunktionen und der chemotaktischen Fähigkeiten der Leukozyten (Rukkwamsuk et al., 1999). Erkrankungen wie Nachgeburtsverhalten und Labmagenverlagerung wirken laut Fürll et al. (2004) mastitisbegünstigend. Eine ausreichende Versorgung mit Antioxidantien wie Vitamin E und Selen sowie weiteren Vitaminen und Mineralstoffen ist für eine hohe Phagozytoseaktivität im Euter notwendig. Sie erhöht somit die Abwehrbereitschaft des Euters und senkt die Mastitisanfälligkeit (Oliver und Sordillo, 1988; Fürll et al., 2004).

Fazit

  • Energiedefizite verursacht durch Futterrestriktion beim Trockenstellen oder in der Frühlaktation beeinträchtigen die Funktion der Immunzellen.
  • Zitzendilatation und Milch laufen lassen bedingt durch einen erhöhten intramammären Druck beim Abkalben/ Trockenstellen, sind Risikofaktoren für Euterentzündungen in Phasen von physiologischer sowie induzierter Immunsuppression.
  • Vermeidung von Stoffwechselerkrankungen reduziert das Mastitisrisiko und fördert die Eutergesundheit.

Referenzen

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Burvenich, C., M. J. Paape, A. W. Hill, A. J. Guidry, R. H. Miller, R. Heyneman, W. D. Kremer, and A. Brand. 1994. Role of the neutrophil leucocyte in the local and systemic reactions during experimentally induced E. coli mastitis in cows immediately after calving. Vet. Q. 16:45–50.
Cai, T. Q., P. G. Weston, L. A. Lund, B. Brodie, D. J. McKenna, and W. C. Wagner. 1994. Association between neutrophil functions and periparturient disorders in cows. Am. J. Vet. Res., 55:934–943.
Fürll, M. Hoops M., C. Jünger, and H. Wilken. 2004. Stoffwechseleinflüsse auf die Euter- gesundheit. Rinderpraxis 11:68–74.
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Gross J., H. A. van Dorland, R. M. Bruckmaier, and F. J. Schwarz. 2011. Performance and metabolic profile of dairy cows during a lactational and deliberately induced negative energy balance with subsequent realimentation. J. Dairy Sci. 94:1820–1830.
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Lungenwürmer bei Hund und Katze

Thema: Lungenwurm bei Hund und Katze. Jetzt im Covetrus Blog lesen.

Das Auftreten von Lungenwürmern unter Hunden und Katzen galt bis vor zwei Jahrzehnten noch vor allem auf endemische Hotspots in Frankreich, England und Dänemark beschränkt. In den vergangenen Jahren finden diese Parasiten allerdings immer weitere Verbreitung und stellen eine Herausforderung in der Kleintierpraxis dar. Neben dem steigenden Infektionsdruck durch die Verbreitung in der Wildtierpopulation (vor allem unter Füchsen) begünstigt der Zugang zu Zwischenwirten durch Freilauf der Hunde und Katzen eine Aufnahme der Parasiten. Darüber hinaus kann ein Befall mit Lungenwürmern über lange Zeit asymptomatisch verlaufen und wird daher oft spät oder gar nicht diagnostiziert. Zieht man in Betracht, dass Lungenwürmer gravierende bis letale pathologische Folgen nach sich ziehen können, die Prognose allerdings bei einer rechtzeitigen Diagnose und Behandlung mit effektiven Anthelminthika sehr gut ist, ist der geschärfte tierärztliche Fokus auf diese Parasiten lohnend.

Angiostrongylus vasorum, Crenosoma vulpis und Aelurostrongylus abstrusus – die häufigsten Lungenwürmer bei Hund und Katze

Unter den vier in Zentraleuropa vorkommenden Lungenwürmern des Hundes sind die beiden Fadenwürmer Angiostrongylus vasorum und Cremosoma vulpis am weitesten verbreitet. Die parasitierenden weiblichen Würmer legen dabei jeweils ihre Eier ab, aus denen sich in der Lunge des Hundes das erste Larvenstadium entwickelt. Dieses wird über die Trachea in den Schlund transportiert, gelangt von dort in den Magen-Darm-Trakt und wird mit dem Kot ausgeschieden. Als Zwischenwirt für eine Entwicklung vom Larvenstadium I zum infektiösen Larvenstadium III dienen Schnecken. Die Hunde infizieren sich entweder durch den Verzehr infizierter Schnecken selbst oder durch eine orale Aufnahme infektiöser Larven etwa durch das Fressen von Gras. Der weitere Infektionsweg der Larven III erfolgt über den Darm des Hundes, die Darmwand, auf dem Blutweg in die Leber und von dort über das Herz in die Lunge.
Unter den Katzen ist Aelurostrongylus abstrusus der am weitesten verbreitete Nematode des Respirationstraktes. Eine Studie unter 4.067 Katzen in der Schweiz ergab dabei im Jahr 2018 eine Prävalenz von 10,7 Prozent. Der Infektionsweg verläuft hierbei äquivalent zu den Lungenwürmern des Hundes mit dem Unterschied der Aufnahme der infektiösen Larven. Während für Aelurostrongylus abstrusus ebenfalls Schnecken als Zwischenwirt fungieren, nehmen Katzen die infektiösen Parasiten vor allem über ihre Beutetiere, Mäuse, Vögel und Frösche, auf, die als paratenische Wirte dienen.

Klinische Symptome einer Lungenwurminfektion

Eine Infektion mit C. vulpis bei Hunden führt zu respiratorischen Symptomen wie Husten, Tachypnoe, Schleimauswurf, Nasenausfluss und Niesen. Das Spektrum der klinischen Symptome einer Infektion mit A. vasorum hingegen ist deutlich breiter, weshalb auch bei nicht respiratorischen Symptomen eine Abklärung auf einen Befall mit Lungenwürmern angezeigt sein kann. Mit A. vasorum infizierte Hunde können gänzlich ohne klinische Symptome bleiben. In den häufigsten Fällen dominieren auch hier respiratorische Anzeichen. Gerade im Fall von chronischen Verläufen können allerdings auch Koagulopathien, Anorexie, Leistungsintoleranz und Störungen des zentralen Nervensystems auftreten. Ein Verschluss der Lungen- oder anderer wichtiger Arterien beziehungsweise eine Herzinsuffizienz kann letale Folgen haben.
Ein Befall der Katze mit Aelurostrongylus abstrusus bleibt in vielen Fällen asymptomatisch. Treten Symptome auf, handelt es sich um respiratorische Beeinträchtigungen, Husten und diffuse Erscheinungen wie Leistungsintoleranz.

Infektionsgefahr für Haustierbesitzer

Die drei Haupt-Lungenwürmer bei Hund und Katze sind für den Menschen ungefährlich. Anders sieht es jedoch beim Lungenhaarwurm (Capillaria aerophila) aus. Dieser kosmopolitische Parasit ist vor allem bei Wildcaniden und Igeln vorzufinden, kann aber in seltenen Fällen auch Haushund und Katze befallen. Auch Infektionen des Menschen sind nicht gänzlich ausgeschlossen. Diese erfolgt über die orale Aufnahme infektiöser Larven, die sich in den Atemwegen etablieren und zu Bronchitis und Husten führen können.

Die Diagnostik von Lungenwürmern

Die gängige Diagnostik von Lungenwürmern erfolgt über die Untersuchung des frischen Kots, aufgrund der unterschiedlichen Ausscheidung der Larven in einer 3-Tages-Sammelprobe im Larven-Auswanderverfahren nach Baermann-Wetzel. Die Larven werden dabei frühestens 40 Tage nach einer erfolgten Infektion im Kot ausgeschieden.
Ebenfalls möglich ist ein Nachweis zirkulierender Antigene und Antikörper mittels ELISA. Für den Aelurostrongylus abstrusus der Katze ist diesem Verfahren dabei eine wachsende Bedeutung beizumessen, da die Ausscheidung der Larven über den Kot früh sistieren kann. Bildgebende Verfahren können darüber hinaus Auskunft über Verlauf und Schweregrad der Infektion geben und eine Behandlung unterstützen.

Behandlung eines Befalls mit Lungenwürmern

Eine Behandlung erfolgt sowohl für C. vulpis als auch A. vasorum mit Anthelminthika aus der Gruppe der makrozyklischen Laktone. Empfohlen wird etwa eine Dosis von 2,5 mg/kg Körpergewicht Moxidectin in einer Spot-On-Behandlung mit einer möglichen Wiederholung nach vier Wochen oder eine Behandlung mit Milbemycinoxim in einer Dosis von 0,5 mg/kg KG einmal wöchentlich über vier Wochen. Diese Präparate sind auch zur Prophylaxe in endemischen Gebieten zugelassen. Wurde der Lungenwurmbefall rechtzeitig diagnostiziert, ist die Prognose in der Regel sehr gut. Treten hochgradige klinische Symptome bzw. Superinfektionen auf, können Antibiotika und Glukokortikoiden die Behandlung unterstützen. Die Diagnose und Behandlung von Lungenwurminfektionen sind in der Kleintierpraxis mit wenig Aufwand verbunden und können dabei effizient weitreichende pathologische Folgen für Hund und Katze verhindern.

Quellen:

https://www.esccap.org/uploads/docs/pa077iig_ESCCAP_2012_Factsheet_Angiostrongylus_d_def_310812.pdf

http://www.esccap.ch/2-uploads/praxis/ESCCAP%20CH_GL%20Endo%20rev_d_def_200415.pdf

https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/35881/2/KleintierKonkret_Schnyder_Berlin_01_07_2010.pdf

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0304401719300068?via%3Dihub

https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/93531/1/ZORA_NL_93531.pdf

https://www.esccap.ch/demo/wp-content/uploads/2019/01/ESCCAP-CH_HenrySchein_ToT_MS_Lungenwuermer-bei-Hund-und-Katze_PF_031117.pdf

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Die perfekte Schonkost bei Durchfall bei Hunden und Katzen

Ein Kätzchen sitzt im Karton. Schonkost bei Durchfall bei Katzen und Hunden - - jetzt im Covetrus Blog lesen.

Leiden Hunde oder Katzen an Durchfall oder Erbrechen, ist es wichtig, die Ernährung vorübergehend umzustellen. Mit der richtigen Schonkost kann relativ schnell eine Besserung des Gesundheitszustandes erzielt werden. Ergänzend dazu sollten wichtige Nährstoffe, die durch den Durchfall ausgeschieden wurden, wieder zugeführt werden. Dabei können spezielle Nahrungsergänzungsmittel helfen. Doch allem voran sollten die möglichen Ursachen der Erkrankung abgeklärt werden. Hat verdorbenes Futter zu einer Veränderung des Stuhls der Katze geführt, da zu viele Bakterien den Darm fremdbesiedelt haben, kann mit pürierten Karotten und geriebenem Apfel erste Hilfe geleistet werden. Diese Art von Durchfall ist in der Regel relativ schnell wieder in den Griff zu bekommen.

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Weihnachtszeit: Ernährung von Haustieren

Ein Hund unter dem Tannenbaum mit dem Kopf in einer Papiertüte. Ernährung von Tieren in der Weihnachtszeit - jetzt im Covetrus Blog lesen.

In den letzten Jahren hat der Trend zugenommen, die eigenen Haustiere zu Weihnachten zu beschenken. Rund 75 % der Besitzer finden es nach einer GfK-Umfrage im Auftrag der Mera Tiernahrung wichtig, an diesem Tag Hund und Katze eine besondere Freude zu machen. Sicherlich liegt das daran, dass Tiere in vielen Haushalten fester Bestandteil des Lebens und vollwertiges Familienmitglied sind. Zu den beliebtesten Geschenken in der Weihnachtszeit gehören mit 64,7 % Snacks, so das Ergebnis der Studie.

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Sehkraft bei alten Katzen

Nahaufnahme, ein rothaariger Kater guckt zur Seite. Thema Sehkraft bei alten Katzen - jetzt im Covetrus Blog lesen.

Für Katzen, welche ihre Bewegungen und Koordination hauptsächlich über die Augen steuern, da sie keinen so stark ausgeprägten Geruchssinn haben wie andere Tiere, sind die Augen und ihre Gesundheit von immenser Bedeutung. Nichtsdestotrotz verhält es sich bei Katzen ähnlich wie bei Menschen: Im späteren Verlauf des Lebens kann die Sehkraft nachlassen. Das kann anfänglich problematisch sein. Darüber hinaus ist es in vielen Fällen auch vermeidbar, sofern eine Krankheit zugrunde liegt und diese rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

Denn obwohl auch erblindete Katzen sich in ihrer Umgebung zuverlässig zurechtfinden, ist es dennoch eine große Einbuße der Fähigkeiten der Katze. Außerdem haben Forscher herausgefunden, dass Katzen (als dritte Tiergruppe überhaupt neben Affen und Hunden) über Blickkontakt mit Menschen kommunizieren können.  Getestet wurde dabei, inwiefern Katzen menschlichen Blicken folgen können und so zu versteckten Futterplätzen finden. Daher ist ein Nachlassen der natürlichen Sehkraft im Alter mit einigen Einschränkungen verbunden. Doch wie kommt es dazu?

Nachlassen der Sehkraft bei alten Katzen oftmals Folge von anderen Krankheiten

Entgegen der gängigen Meinung ist ein schlechteres Sehvermögen bei Hauskatzen oftmals nicht nur dem Alter der Katze allein geschuldet. Vielmehr handelt es sich sehr häufig um eine Begleiterscheinung anderer Krankheiten oder Veränderungen des Organismus. Eine häufige Ursache ist Bluthochdruck als Folge einer hypertrophen Cardiomyopathie (HCM). Hierbei handelt es sich um eine der am meisten diagnostizierten Herzerkrankungen bei Katzen. 

Unter dem Begriff HCM versteht man eine primäre Cardiomyopathie in Kombination mit einem hypertrophen, nicht dilatierten linken Ventrikel. Diese tritt isoliert ohne andere systemische oder cardiale Anomalien auf, auf welche die HCM zurückzuführen sein könnte. Im Gegensatz zu Hunden, bei denen sich diese Form des Herzfehlers durch Husten und andere Symptome bemerkbar machen kann, treten bei Katzen vor allem Kurzatmigkeit und Appetitlosigkeit auf. Eine weitere mögliche Grunderkrankung, die zur Verschlechterung des Augenlichtes führen kann, ist eine chronische Niereninsuffizienz.

Bluthochdruck als mögliche Folge einer hypertrophen Cardiomyopathie

Bluthochdruck kann bei Katzen schwerwiegende Folgen für die Sehkraft haben. Der erhöhte Blutdruck kann ein Platzen der sehr kleinen und zarten Gefäße im Augenhintergrund verursachen. Daher sollten Sie als Tierarzt bei Untersuchungen von Bluthochdruck auch immer den Augenhintergrund inspizieren, um mögliche Schäden bereits frühzeitig erkennen zu können. Bei akuten Fällen weisen die Katzen erweiterte Pupillen auf und erscheinen verwirrt. Hierbei handelt es sich um einen Notfall, der unbehandelt zur Blindheit der Katze führen kann. Weisen Sie Katzenbesitzer auf diese Symptome hin.

Chronische Niereninsuffizienz als weitere Ursache für Augenschädigungen bei Katzen

Eine weitere, sehr häufige Ursache ist die chronische Niereninsuffizienz (CNI), die laut Statistiken bei bis zu 30 % der älteren Katzen auftritt.  Dabei entwickelt sich die CNI nicht akut, sondern schleichend über eine lange Zeit. Da die Schädigung der Niere nicht mehr reversibel ist und die ersten Anzeichen erst bei ca. 70 % zerstörtem Nierengewebe auftreten, kann es oftmals schwierig für Sie sein, eine rechtzeitige Diagnose zu stellen.

Unbehandelt verläuft die CNI tödlich. Daher empfiehlt es sich, ab einem gewissen Alter der Katze regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen. Eine CNI lässt sich schließlich nur im Bluttest zuverlässig feststellen. Anzeichen für eine entsprechende Erkrankung sind Lethargie, Appetitlosigkeit, Schwäche, Gewichtsverlust, Zahn- und Zahnfleischerkrankungen. Allerdings können auch weitere Symptome auf eine CNI hindeuten. Diese müssen in der Anamnese kontrolliert werden.

Wie bei der HCM führt eine CNI sehr häufig zu Bluthochdruck, welcher sich sehr schädlich auf die Augen und Sehkraft des Tieres auswirken kann.

Verschiedene Augenkrankheiten als Auslöser von Sehschwächen

Wenn das Auge selbst direkt von einer Krankheit betroffen ist, kann dies auch zur Verschlechterung der Sehleistung führen. Hierbei stehen Veränderungen der Netzhaut sowie der graue Star (Katarakten) bzw. grüne Star (Glaukom) im Vordergrund.

Als grauer Star wird eine gräuliche Trübung der Linse bezeichnet, die im weiteren Krankheitsverlauf fast ins weißliche gehen kann. Obwohl schmerzfrei, führt diese Entwicklung zu einem immer weiter absinkenden Sehvermögen des Tieres. Der graue Star ist bei Katzen, wie bei Menschen, oft eine Alterserscheinung. Jedoch kann dies auch ein Anzeichen für eine Diabeteserkrankung der Katze sein.

Bei einem grünen Star handelt es sich um einen erhöhten Augeninnendruck, durch welchen sich die Pupille weitet und auch bei direktem Lichteinfall nicht so zusammenzieht, wie sie es normalerweise tut. Der erhöhte Druck im Inneren des Auges verursacht auch bereits eine Beeinträchtigung des Sehvermögens. Unbehandelt gibt die Augenhülle irgendwann nach und der Augapfel vergrößert sich stark. Dazu kommt eine Eintrübung der Hornhaut, was letztendlich zur Erblindung der Katze führt.

Sehschwächen bei Katzen im Alter

Es ist grundsätzlich festzuhalten, dass Sehschwächen bei älteren Katzen häufig nicht „einfach so“ auftreten, wie wir es vom Menschen kennen. Viel öfter sind andere Grunderkrankungen dafür verantwortlich und das Nachlassen des Sehvermögens (bis hin zum Erblinden) der Katze ist lediglich eine Art Symptom bzw. Folge dieser diversen Grunderkrankungen. Es lässt sich sagen, dass Katzen im späteren Teil des Lebens auch mit besonderem Augenmerk auf die Sehleistung regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zum Tierarzt gebracht werden sollten.

Insbesondere im Hinblick auf die HCM, CNI sowie die häufigsten Augenkrankheiten sollten Sie als Tierarzt regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durchführen, um die Chancen auf Heilung bzw. Minimierung der Auswirkungen der Krankheit frühzeitig zu maximieren. Dies gilt in besonderem Maße, da einige Erkrankungen, welche im Alter der Katze zu Beeinträchtigungen der Sehleistung führen können, erst sehr spät Symptome aufweisen können. Eine vollumfängliche Anamnese ist daher maßgeblich, um verdeckte Ursachen des Nachlassens der Sehkraft bei älteren Katzen zu erkennen.

Quellen:

https://www.catplus.de/hauskatze/sinnesleistungen/katzenaugen/
https://www.vetzentrum.de/ratgeber/augenkrankheiten-bei-der-katze-erkennen/
https://www.tiermedizinportal.de/tierkrankheiten/katzenkrankheiten/bluthochdruck-hypertonie-bei-der-katze/485348
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0160289618300035?via%3Dihub
Kittleson u.a.1998 in: Small animal cardiovasculare medicine. S 248, 259.
https://tierarztpraxis-rogalla-rummel.de/wissenswertes/chronische-niereninsuffizienz-cni-bei-der-katze/

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Wann haftet der Tierarzt?

Tierarzt Haftung Covetrus Blog

Als Tierarzt tragen Sie eine große Verantwortung. Selbst scheinbar kleine Behandlungsfehler können schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Doch wann genau haften Sie und wer muss den Fehler beweisen? Grundlage für die Beantwortung dieser Fragen ist, inwiefern Sie sich nach den aktuellen medizinischen Standards verhalten haben. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs sind außerdem Sie als behandelnder Arzt und nicht der Besitzer des betroffenen Tieres in der Beweispflicht. Umso wichtiger ist, dass Sie Ihre ärztlichen Pflichten stets sorgfältig einhalten. Darunter fallen unter anderem eine umfassende Untersuchung sowie die Wahl, Durchführung und Dokumentation sachgemäßer Behandlungsmethoden. Zahlreiche Urteile aus den letzten Jahren zeigen, dass jeder Fall tatsächlich immer individuell betrachtet werden muss. Nicht zuletzt dann ist eine vollständige Dokumentation Ihrer Behandlung von großer Bedeutung. Hier erfahren Sie, wann Sie als Tierarzt haften, wie die Gerichte in Einzelfällen urteilten und wie Sie sich absichern.

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Der Bienendoktor

Bienen

Die Honigbiene spielt eine entscheidende Rolle für die biologische Vielfalt und die Produktion von Nahrungsmitteln für den Menschen. Intensive Landwirtschaft, Krankheiten und Parasiten setzen in Teilen der Welt die Population unter Druck. Giovanni Formato ist Experte für Honigbienen und setzt sich in seinem Labor für die Gesundheit der Bienen ein. Er sieht hierin eine wichtige Aufgabe für Tiermediziner.

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