Schlagwort: Mobilität

Erkrankungen des Bewegungsapparates bei Hunden

Herr Doktor, welche sind die häufigsten Erkrankungen des Bewegungsapparates bei Hunden und warum entstehen sie? Welche Rassen betrifft die Erkrankung und was sind typische Beschwerden?

Es ist wichtig sich bewusst zu werden, dass als primäre Ursache von Bewegungsbeschwerden bei Hunden fast immer eine Erkrankung des noch unausgewachsenen Skeletts festgestellt werden kann. Neben den Genen, die einen grundlegenden Einfluss haben, spielen die Belastung, eine angemessene Bewegung und natürlich die Ernährung in Welpenalter und Pubertät eine Rolle.

Für große und mittlere Hunderassen sind Hüftgelenks- und Ellbogendysplasien typisch sowie die Problematik des vorderen Kreuzbandes im Knie. Für kleine und zwergwüchsige Hunderassen lautet die häufigste Diagnose: Kniescheibenluxation. Dieses am Anfang unauffällige Hinken und Hüpfen auf drei Beinen führt in der Folge zur dauerhaften Kniescheibenluxation, Perforation des vorderen Kreuzbandes und zur Deformation der gesamten Beckengliedmaße. Folge aller genannten Schäden ist letztendlich immer ein bestimmter Grad von Osteoarthrose – also irreversibler degenerativer Veränderungen.

Bei einem Hund zeigen sich die ersten Beschwerden als Hinken. Das Hinken ist anfangs unter Belastung deutlicher und klingt nach einer Ruhepause ab. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Arthrose zeigen sich die Symptome trotz Ruhepausen.

Warum entstehen diese Beschwerden und wie kann man ihnen vorbeugen?

Wie schon gesagt, einen grundlegenden Einfluss hat die Genetik. Leider ist die Vererbung zumeist polygen (verursacht durch mehrere Gene), also kompliziert. Auch die Auswahl einzelner Zuchttiere nur aufgrund eines Röntgenbildes der Gelenke erfasst nicht alle Tiere, die die genetische Information übertragen und kann somit kein komplettes Verschwinden der Erkrankung in der Zucht sicherstellen. Zum Beispiel ist im Falle einer Hüftgelenksdysplasie für die Entwicklung und das Ausmaß der Schäden in den ersten sechzig Lebenstagen die Ernährung und Belastung entscheidend. Das ist eine Periode, die wir aus Sicht des zukünftigen Besitzers nur durch die sorgfältige Auswahl eines verantwortungsvollen Züchters beeinflussen können.

Während der Pubertätsphase ist die Ernährung von großer Bedeutung. Bei großen und riesigen Rassen besteht im Falle einer schlecht ausgewogenen Ernährung ein großes Risiko einer gestörten Umwandlung wachsenden Knorpels zu festen Knochen. Die Beschädigung des Gelenkknorpels nennt man Osteochondrose. Vereinfacht kann man diese Erkrankung mit einer Blase an der Gelenkfläche vergleichen. Große Schmerzen und Hinken treten schon im Laufe des ersten Lebensjahres auf. Eine rechtzeitige Diagnose und arthroskopische Behandlung kann die Entwicklung einer darauffolgenden Arthrose verhindern oder erheblich verlangsamen. Die komplizierteste Situation besteht im Ellbogengelenk. Der Begriff Ellbogendysplasie umfasst eine ganze Reihe Schäden.

Was sind Anzeichen solcher Beschwerden und was ist zu tun, sollten diese auftreten?

Das häufigste Symptom solcher Beschwerden ist das Hinken. Kommt das Hinken schon bei jungen Hunden vor, ist eine rechtzeitige Untersuchung und Feststellung der Primärursache wichtig. Ohne eine gute Röntgenaufnahme kann man beginnende Veränderungen der Wachstumszonen oder das zeitgleiche Auftreten mehrerer pathologischer Erscheinungen nicht erkennen. Als Ärzte beurteilen wir immer drei Faktoren: zunächst die Ernsthaftigkeit und alle Aspekte der konkreten Behinderung des Bewegungsapparates, weiter das Temperament und Gewicht des Patienten und nicht zuletzt die Fähigkeit des Besitzers mit seinem Hund und mit uns zusammenzuarbeiten und unsere Empfehlungen umzusetzen. Erst die Kombination der Röntgenbefunde, einer gründlichen Palpation der Gliedmaße (Untersuchung durch Abtastung) und die Abwägung jener drei Faktoren ermöglicht eine Auswahl der am besten geeigneten Therapie oder chirurgischen Technik.

Welche weiteren Erkenntnisse haben Sie aus Ihrer Veterinärpraxis?

In letzter Zeit stoße ich persönlich in meiner Praxis viel häufiger als früher auf Schäden der Wachstumsknorpel an den Gliedmaßen. Es handelt sich um eine sog. Retention des Wachstumsknorpels und die Folge ist ein asymmetrisches Wachstum und Herausdrehen der Gliedmaße. Eine Gemeinsamkeit ist die BARF-Fütterung, die aus meiner Sicht für junge Hunde ungeeignet ist, auch wenn es heutzutage möglich ist, die Qualität dieser Art der Ernährung anhand von Blutabnahmen auf ein sog. BARF-Profil zu überprüfen und so rechtzeitig den laufenden Gesundheitszustand zu korrigieren.

Haben Sie zum Schluss noch einen Tipp für Hundebesitzer?

Ich würde gern noch einmal betonen, dass Vorbeugung immer besser ist als eine Behandlung. Diese Vorbeugung hinsichtlich der Schädigung des Bewegungsapparates beeinflussen wir unauffällig und tagtäglich eben durch die Ernährung. Fettleibigkeit oder die Nichtbeachtung erster Anzeichen des Hinkens können auch bleibende Schäden zur Folge haben. Hier muss man ebenfalls sagen, dass es durch die Wahl der richtigen Diät, der Ergänzungsfuttermittel und Übungen in vielen Fällen möglich ist, Operationen zu vermeiden oder nach einem chirurgischen Eingriff die Genesungszeit zu verkürzen. Ergänzungsfuttermittel mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren verlangsamen ebenfalls erheblich die Entwicklung von Arthrose.

Ich danke vielmals Herrn Doktor MVDr. Tomáš Weidenhöfer für das Gespräch und die Zusammenarbeit.

Quelle:
https://www.mojecalibra.cz/aktuality-firmy/onemocneni-pohyboveho-aparatu-u-psu/